Sethe, Hermine

Hermine Sethe an Ernst Haeckel, Frankfurt (Oder), 15. Februar 1849

Frankfurt d. 15ten Februar 1849

[Bildunterschrift]

Mein Puttchen!

Mein lieber kleiner Professor!

Wenn nicht morgen ein Festtag in der Häckelschen Familie wäre, würdest Du am Ende noch nicht einmal einen Brief von Deinem ungezogenen Schwesterchen bekommen. Doch nimms nicht so genau und nimm meinen recht herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstag von der Mimmi freundlich auf und erfülle meine Bitte und glaube Du habest schon einen Brief von mir. Mit meinen Gedanken werde ich morgen recht viel bei Euch sein, einmal, Deines Geburtstags wegen, und dann auch weil Karl wahrscheinlich dort sein wird, dem nun einmal meine Gedanken angehören. Sollte er nicht da sein, bitte so schickst Du ihm wohl beifolgenden Brief gleich nach Naumburg. Wie gern ich selbst || Dir mündlich meinen schwesterlichen Glückwunsch sagte, brauch ich Dir wohl nicht zu sagen. Deinen Freund Küntzel wirst Du wohl bei Dir haben, aber an Deinem Geburtstag dürft Ihr nicht in Euren gelehrten Büchern sitzen, da müßt Ihr fidel und munter sein, so wie wir es hier zu Weihnachten waren hörst Du? Das Pecus steht wieder so spät auf, da sind jetzt keine so zeitigen Wecker. Du hast Dich besonders verdient darum gemacht, das schreibe ich aber auch allein Deiner großen unüberwindlichen Liebe für Deinen hübschen Vetter zu. Meinen Dank für Deinen Brief und besonders für das Kapitel aus der Naturgeschichte, statte ich Dir hiermit meinen besten Dank ab; es hat mich sehr amüsirt. Wenn Ihr morgen Abend recht vergnügt zusammen seid, werde ich mich in einer Gesellschaft entweder mit Anstand langweilen, oder, was ich glaube und hoffe, mich auch recht amüsiren. Adieu, Herr Professor, denkt morgen an mich und behalte lieb

Deine Hermine

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
15-02-1849
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 34017
ID
34017