Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Heinrich Schmidt, Jena, 27. Juli 1904

Jena 27.7.1904.

Lieber Herr Doctor!

Über den glücklichen Ausfall Ihres Doctor-Examens „mit Auszeichnung“ habe ich mich natürlich von Herzen gefreut und wünsche, daß auch alle folgenden Schritte in Ihrer wissenschaftlichen und literarischen Laufbahn von ebenso glücklichen Erfolgen begleitet sein mögen.

Nach den ununterbrochenen und anstrengenden Arbeiten der letzten Monate können Sie sich nun ordentliche Erholung gönnen; genießen Sie die herrliche Natur der Schweiz, vor Allem das großartige „Berner Oberland“, das Sie von Zürich aus so nahe haben. (Thun, Interlaken, Mürren, Wengern, Grindelwald, Luzern etc), vor Allem Vierwaldstätter See und Rigi. ||

Der Druck der „Lebenswunder“, deren Manuskript (– circa 30 Druckbogen –) bereits in der Druckerei ist, wird demnächst beginnen. Sobald ich die Correctur-Bogen erhalte (vom 4. oder 6. August an), werde ich sie Ihnen zusenden, mit der Bitte, sie baldmöglichst durchzusehen und mir zurückzusenden; ich kann sie dann bei der Revision verwerten. Jedoch sollen Sie sich dadurch in Ihren Reiseplänen nicht stören lassen. Ich soll wöchentlich 4 Correctur-Bogen bekommen, so daß der Druck bis Ende September beendigt wird. Ich habe noch Viel gestrichen (namentlich Wiederholungen) und verbessert. Kritisiren Sie bei der Correctur nur scharf! ||

Die erste Augustwoche will ich zur Erholung etwas an die obere Saale reisen, dann aber – der Correcturen wegen – die Ferien hier bleiben. Dann werde ich auch das Material für die Festschrift zusammensuchen.

Die Zusammenstellung nehmen wir wohl am besten im October (?) hier vor. Wie sind Ihre Pläne? Reise nach Villafranca und Genua?

– Wenn Sie den nächsten Monat noch in der Schweiz bleiben, werden Sie sich am besten wohl an einem der herrlichen Seen niederlassen, wo Sie gut und billig (Pension 5–6 fr.) leben und in aller Ruhe die Correcturen machen können, auch gründlich erholen. || Prof. Lang (den ich herzlich zu grüßen bitte, ebenso wie Keller und Schinz) wird Ihnen am besten raten können, wo Sie sich niederlassen.

Nächsten Montag (1.8.) feiert Kükenthal die Eröffnung seines großen neuen Institutes.

– Die beiden Assistenten Wolff und Rauther siedeln nach Berlin über. Assistent für den Winter ist vorläufig stud. Röhler. –

Von Dr. Leo Schultze habe ich seit 6 Monaten Nichts gehört.

– Meine Frau und Pohle gratuliren Ihnen mit mir herzlich

Mit besten Wünschen

Ihr alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
27.07.1904
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Zürich
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 32156
ID
32156