Königsbrunn, Hermann Baron von

Hermann Baron von Königsbrunn an Ernst Haeckel, Graz, 3. November 1882

Gratz 3/11 1882.

Hochverehrter Freund!

Wollen Sie die Verzögerung dieser Zeilen gütigst nicht in einer Unlust an Ihrem Reisewerke Theil zu nehmen suchen, sondern es vielmehr darin entschuldigt sehen, daß ich inzwischen nach einem Auswege umsah, um die Illustrationen in einer etwas günstigeren Weise in Ausführung zu bringen, als dieß nach den Intention des Herrn Kröner möglich ist. Ich schickte nähmlich inzwischen eine Kohlenzeichnung an die Photografische Anstalt des Herrn Hofmann in Dresden ein, um mich probeweise zu überzeugen, wie sich dieselben in photolithografischen Wege ausnehmen würden. Obschon im Allgemeinen mit der Reproduktion || nicht unzufrieden, fehlt ihr doch der stimmungsvolle Ton, der dem Originale seinen eigenthümlichen Reiz verleiht, so daß ich nicht glaube, damit etwas unbedingt zugkräftiges erreichen zu können. Ich sehe daher ein, daß nur der von Herrn Kröner vorgeschlagene Weg übrig bleibt soll überhaupt an den illustrativen Theil Ihres Meisterswerkes geschritten werden. Da sind es denn nicht die niedrigen Honorare für die Zeichner, welche mich abschrecken an dieser ehrenden Aufgabe Theil zu nehmen, die Geldfrage hat mich nur in den dringendsten Umständen bei meinen Arbeiten geleitet, und so ist es auch jetzt in erster Linie die Ehre an dem Werke eines Mannes Ihrer Bedeutung wenn auch nun nebenher Theil zu nehmen, was mich anspornt, die allerdings karge Zeit und durch || meine ziemlich anstrengende Berufspflicht sehr in Anspruch genommene geistige Spannkraft dieser auszeichnenden Arbeit zu weihen.

Größer achte ich die Schwierigkeit, mit genügender Anzahl von Bildern eintretten [!] zu können. Ich würde und das glaube ich wäre für die bildliche Ausstattung des Werkes auch am vortheilhaftesten, zunächst auf die 10 größeren Vollbilder reflectiren. Diese könnten aber wie begreiflich mehr auf Totalwirkung berechnet sein, und in diesem kleinen Format unmöglich den Reichthum aller Details wie meine großen Kohlenzeichnungen bringen. Selbst Ihr Vorschlag diese großen Bilder directe auf den Holzstock photografieren zu lassen findet Widerstand in der Unmöglichkeit, daß irgend ein Xylograf im Stande wäre, alle diese subtilen Details deutlich zu bringen. Das || wäre in diesem kleinen Format kaum einem Kupferstecher möglich und würde in keinem Falle ein gefälliges Bild liefern. Es bleibt nach meiner Ansicht nichts übrig als diese 10 Bilder neu zu schaffen und zwar in einer für den Holzschnitt passenden Manier. Die rein bildliche Wirkung wird in erster Linie berücksichtiget [!] werden müssen und ich glaube, daß diese dem Publikum im Großen auch mehr entsprechen dürfte. Eine 2te Frage ist die: in welcher Zeit müßten die Bilder geliefert werden? Ihre Idee eventuell Ihren Zeichner in Jena mit der Anfertigung der gesammten Illustrationen zu betrauen stellt sich mir ein Bedenken entgegen, nähmlich daß es geradezu unthunlich ist durch Correktur das etwa fehlende zu ersetzen oder auch nur zu verbessern, das wäre fruchtlose Mühe und würde der Arbeit || eher schaden als nützen. Aus den herrlichen Arbeiten, die Sie so freundlich waren mir in Wildhaus zu zeigen, läßt sich aber der sichere Schluß ziehen, daß dieser Künstler vollständig in Ihren prächtigen Photografien gegebenes so schön ausführen wird als irgend einer. Architektonisches, Pflanzendetails, oder Figuralisches u. dergleichen. Herr Püttner vernehme ich sei gestorben, und ich möchte behaupten nach dem was ich von seinen vielfältigen Ilustrationen gesehen habe, daß es diesem Künstler mehr um Effekte im Allgemeinen als um Charakteristik des Darzustellenden zu thun a war. –

Es würde sich also nach meiner Vorstellung vorzüglich darum handeln, dem Publikum ein Bildwerk im gewöhnlichen Sinne zu biethen, das heißt weniger || strenge Vegetationsbilder, als Illustrationen zu Ihrem Texte zu liefern. Bei der großen Maße vorliegenden Materiales kann der bildliche Theil immerhin sehr wechselvoll und so charakteristisch ausfallen als irgendein Werk ähnlicher Art.

Nun drängt sich mir aber dem Verleger gegenüber noch eine Frage auf. Wie gedenkt Herr Kröner den materiellen Ansprüchen für geleistete Arbeiten gerecht zu werden, wenn möglicher Weise durch ein Hinderniß von Seiten eines andren Mitarbeiters eine Stockung in der Ausführung eintreten könnte. Da erlaube ich mir denn für den Fall als mein Anerbieten convenirt jedes der 10 grö-||ßeren Blätter von 16–25 Ctm. zu 100 Mk zu liefern, für jedes gelieferte Blatt das bedungene Honorar nach Einsendung desselben zu erbitten unabhängig von unvorhergesehenen Zwischenfällen. Zeit der Anfertigung und möglichst meinen Kräften entsprechende Ausführung will ich gewissenhaft einhalten.

Auch möchte ich mich mit dem in Aussicht genommenen Xylografen über die seiner Schneideart am meisten zusagende Ausführungsmanier verständigen, welche ich bei den Originalzeichnungen einzuhalten hätte.

Mit diesen Andeutungen glaube ich mich nunmehr definitiv und deutlich erklärt zu haben, wie weit ich an der Ausführung des projektirten Werkes Theil haben kann. || Sollte es an Zeit nicht fehlen, so wäre nicht ausgeschloßen, daß ich nach Vollendung der größeren 10 Bilder vielleicht nachträglich auch Zeichnungen im mittleren Formate liefern würde, wenn es dessen bedürfte.

Mein Schwager ist dermalen sehr beschäftigt und nicht wohl dazu gelangt eine Probezeichnung einzusenden, da es ja auch noch ungewiß ist, ob überhaupt an die Illustrationen geschritten wird. Ihr gütiges Anerbieten Ihres Ceylonesischen Skizzen und Photografischen Materiales, müßte ich für den Fall der Ausführung im Interesse des Werkes allerdings b in Anspruch nehmen. Mit der Lektüre Ihrer letzten 2 Reisebriefe haben sie mir hochverehrter Freund einen großen Genuß und selige Erinnerungen vorgezaubert. Vielen Dank dafür mit der Bitte Ihrer ferneren ehrenden Freundschaft Ihr dankbar ergebener

Königsbrun

a gestr.: ist; b gestr.: erbitten

 

Letter metadata

Empfänger
Datierung
03.11.1882
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 28940
ID
28940