Krukenberg, Gustav

Gustav Krukenberg an Ernst Haeckel, Halle, 13. November 1897

Halle, 13.11.97.

Lieber Freund!

Lassen Sie mich mit einigen Worten meine Theilnahme am Tode Ihres Bruders Carl aussprechen. Er war ein edler Mensch und des Lebens Freude und Leid sind ihm im reichen Maße zu Theil geworden. Mir war er der älteste meiner Jugendfreunde und der liebste. Sein Hingang betrübt mich sehr.

Nachgerade wird es für mich sehr einsam im Leben. Welcher, mit dem ich, seiner vielen Sonderbarkeiten ungeachtet, viel verkehrte, ist dahingegangen, ebenso die uns und unsern Kindern || sehr befreundet gewesene Frau Thümmel, eine wie selten begabte Frau. Haym ist fast noch der Einzige, der zahlreichen Freunde, die ich hier hatte. Ich selbst werde immer mehr zur Ruine, mein Gehör hat abgenommen, auf dem einen Augue bin ich blind u. auf dem andern so kurzsichtig, daß ich Abends im Dunkeln nicht allein auf die Straße gehe. Indeß das ist der Lauf der Natur und bei 76 Jahren darf ich nicht klagen.

Ich wollte diesen Herbst || noch einmal das liebe alte Jena aufsuchen und dabei bei Ihnen vorsprechen. Es ist aber nicht dazu gekommen und so will ich es auf das nächste Frühjahr verschieben, wenn ich da noch lebe.

Hoffentlich geht es Ihnen u. den Ihrigen gut.

Mit herzlichen Grüßen auch von meiner Frau an die ihrige

bin ich

Ihr getreuer

Krukenberg

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-11-1897
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 28291
ID
28291