Krukenberg, Gustav

Gustav Krukenberg an Ernst Haeckel, Halle, 28. März 1892

Halle 28.3.92

Verehrter Freund!

Ihr Aufsatz über Trütschler-Caprivi hat mir einen großen Genuß gewährt und danke ich Ihnen recht herzlich dafür. Lassen Sie mir ja auch den 2ten Theil zugehen.

Die Zustände in Preussen sind zu betrüblich, am elendsten aber sind sie in der Justiz. Daß ich derselben seit Jahresfrist Valet gesagt und mich auf das Altentheil zurückgezogen habe, werden Sie wohl erfahren haben. Ich bin jetzt 71 Jahr alt und da ist einem die Ruhe wohl zu gönnen, zumal da die Beschwerden des Alters sich mir || recht bemerklich machen. Mein Gehör nimmt ab, mein Gedächtniß wird schwach und meine Beine machen mir auch zu schaffen. Ein Plattfuß hat sich herausgebildet, der mich an weiteren Spaziergängen, zu denen ich jetzt so gute Zeit hätte, hindert. Ich werde mir im Frühjahr erlauben persönlich bei Ihnen vorzusprechen und können Sie sich dann durch den Augenschein überzeugen, daß mit dem Alten, abgesehen von dem „Mundwerk“, nicht mehr viel aufzustellen ist. Doch das ist der Lauf der Natur und kann ich mich nicht beklagen. ||

Hoffentlich geht es Ihnen und den Ihrigen gut.

Mit herzlichsten Grüßen von Haus zu Haus in alteer Verehrung

Ihr

getreuer Krukenberg

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
28-03-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 28290
ID
28290