May, Walther

Walther May an Ernst Haeckel, Karlsruhe, 6. Juli 1905

Karlsruhe, 6. Juli 05.

Hochgeehrter Herr Professor!

Für die freundliche Übersendung Ihrer Berliner Vorträge danke ich bestens. Ich habe sie mit großem Interesse gelesen und zum Gegenstand meiner beiden letzten Collegstunden gemacht. Ich habe das ganze Semester über Ihr Leben und Ihre Werke gelesen u. verhältnismäßig viele Zuhörer gehabt.

Bei der Durchsicht der || schönen ersten Lieferung Ihrer „Wanderbilder“ habe ich daran gedacht, ob es nicht lohnend wäre, Ihre kleinern, in verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Reiseschilderungen gesammelt herauszugeben? So die „Reiseskizzen aus Sicilien“, die Schilderung der Besteigung des Piks von Teneriffa, die „Algerischen Erinnerungen“ etc.

Auch ist mir der Gedanke gekommen, ob die Veröffentlichung der 5000 Welträtselbriefe in ganz unveränderter || Fassung u. Orthographie nicht ein interessanter Beitrag zur Kulturgeschichte unserer Zeit wäre?

Am meisten würden jedoch wohl alle Ihre Verehrer erfreut sein, wenn Sie Ihre Lebenserinnerungen in nicht allzu langer Zeit veröffentlichen würden. Ich las einmal in einem Zeitungsartikel, daß Sie damit beschäftigt seien u. erwarte das Werk mit Spannung. Bildnisse aus verschiedenen Stadien Ihres Lebens, auch Ihrer Eltern u. Ihrer Gattin (auch der ver-||storbenen) würden eine dankbare Zugabe sein.

Wir haben wohl auch noch ein planktologisches Werk von Ihnen zu erwarten?

Den Vortrag über die Biologie in Jena habe ich ebenfalls mit großem Interesse gelesen.

Mit hochachtungsvollem Gruße zeichnet ergebenst

Ihr

dankbarer Schüler

W. May.

Mein Buch über Goethe, Humboldt, Darwin, Haeckel ist von Prof. Benedikt in der Wiener Neuen freien Presse sehr günstig beurteilt worden. Auch die Frankfurter Zeitung sprach sich anerkennend darüber aus. Mit besonderer Freude sah ich die Erwähnung des Buches in den „Lebenswundern“.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
06-07-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 26470
ID
26470