May, Walther

Walther May an Ernst Haeckel, Karlsruhe, 2. Dezember 1908

Karlsruhe, 2. Dez. 08.

Sehr geehrter Herr Geh. Rat!

Mit großer Freude hörte ich, daß Sie mir die Ehre Ihres Besuches zu teil werden ließen, aber ebenso lebhaft war mein Bedauern darüber, daß Sie mich nicht zu Hause trafen. Schon lange wollte ich Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre große Freundlichkeit aussprechen, verschob aber die Sache immer wieder, da ich täglich das Erscheinen meines Buches erwartete das ich Ihnen gleichzeitig übersenden wollte. Jetzt endlich kann ich dies tun. Ich bitte || die Arbeit mit Nachsicht aufzunehmen, es ist nur ein schwacher Versuch einer chronistischen Darstellung Ihres reichen Lebens, keine eigentliche Biographie. Ich habe mich der größten Objektivität befleißigt, wo ich polemisch geworden bin, geschah es aus innerster Überzeugung und wie ich hoffe in einem Ton, der Ihrer Größe würdig ist und dem großen Dank entspricht, den ich Ihnen zeitlebens schulde. Ein mannhaftes Wort maßvoller Kritik wird Ihnen jedenfalls lieber sein, als die uneingeschränkte Lobeserhebung eines Schmeichlers.

In der Hoffnung, daß das Buch Ihnen nicht allzusehr missfällt und daß es zum || Verständnis Ihres Wirkens auch in solchen Kreisen beiträgt, die sich jetzt noch ablehnend verhalten, bin ich mit den ergebensten Grüßen

Ihr

Ihnen treu ergebner

W. May.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
02-12-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 26459
ID
26459