Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Heidelberg, 4. Januar 1918

Heidelberg, 4.1.1918.

Lieber und hochverehrter Freund!

Das Ende des verflossenen Jahres hat unserem Vaterlande die tiefste Erniedrigung und den Zusammenbruch der Bismarckschen Aera und zuletzt den Abschied unseres Freundes Semon gebracht. Er ist seiner verstorbenen Gattin allzu früh gefolgt; mit ihm ist ein ausgezeichneter Mensch und Forscher von uns geschieden. Es ist schrecklich wenn man in den letzten Lebenstagen einen solchen Niedergang des teuren Vaterlandes und den Tod eines Freundes, der berufen war, noch viel zu leisten und den großen Schätzen, die wir ihm verdanken, noch Neues || hinzuzufügen, betrauern muß.

Wie beneidenswert sind die Freunde, die vor uns während der Siegerzeit des Krieges dahinschieden. Welcher kommenden Generation mag das Glück beschieden sein, an dem Neuaufbau mitzuhelfen?

Du kannst auf Deine Großtaten zurückblicken, die unvergänglich sind, wie die Werke unserer großen Philosophen und Dichter. Hier liegt die Größe unseres Vaterlandes, auf die wir jetzt uns flüchten müssen.

Mit meiner Frau sende ich Dir und Deinen Lieben die herzlichsten Wünsche und Grüße.

Dein

M. Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
04-01-1918
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1411
ID
1411