Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Jena, 25. April 1891

Jena, 25.4.1891.

Lieber und hochverehrter Freund!

Herzlichsten Dank für Deinen lieben ausführlichen Brief, der uns und Alle, denen ich davon Mittheilung machte, innigst erfreute und in hohem Grade interessirte. Wie freuen wir uns, dass Dein ganzer Aufenthalt in Messina, die Reise durch Sizilien und die sonstigen Ausflüge so in jeder Beziehung gut verliefen und wie stolz sind wir, dass Du unserem Jena neuen Glanz verliehen! Deiner lieben Frau Befinden, an dem wir treu theilnehmen, scheint sich ja nun in Nervi auch recht erfreulich gebessert zu haben, so dass auch sie, die zu unserem grossen Leidwesen keine leichte Zeit hatte, hoffentlich endlich von sich sagen kann: Ende gut, alles gut. Dass Ihr noch so weitgehende Reisepläne habt, verbürgt uns fest, dass ihr Befinden jetzt ein relativ sehr zufriedenstellendes || geworden ist, und so freuen wir uns herzlichst darauf, Euch im Mai wieder hier die Hand zu drücken und mit Euch unseren Frühling, Euren zweiten Nachfrühling, zu genießen. Dein Frl. Tochter hat gewiß in der üppigen Natur geschwelgt. Von Leipzig hoffentlich immer recht gute Nachrichten.

Von ganzem Herzen beschämt muß ich Dir für die viele Mühe danken, die Du Dir für die Erfüllung unserer unverschämten Wünsche gegeben. Hätte ich das geahnt, so hätte ich geschwiegen. Aber die Erlangung der innigst ersehnten Selachier wird freilich ein Fest für uns sein.

Über die letzten Vorgänge in Deutschland ist allerdings jetzt eine Empörung entstanden, die weitreicht. Ob sie anhält, – ich glaube es kaum, die deutschen Schafe sind richtige Schafe. Wenn Du in Nervi eine Bibel findest, so rathe ich Dir einmal Cap. 10 und 11 aus Jesus Sirach zu lesen. Das klappt noch besser || fast als Caligula auf die jetzigen Zustände. Wenn doch Einer diese beiden Capitel veröffentlichen wollte und den Staatsanwalt auf den Hals bekäme!

Italien scheint jetzt von dem Jubel über Dohrn wiederzuhallen! Glück auf!

Heute reist meine Frau ab, nachdem Karl uns vorgestern verlassen. Ich bleibe noch 1–2 Wochen hier (den Geographentagen werde ich mich freilich fernhalten) und will dann auf einige Tage nach Mannheim und Heidelberg gehen; hoffentlich läßt mich Gegenbaur vor, dem eigentlich die ganze Reise gilt.

Sonst ist kaum etwas zu berichten. Hier herrliche, absolute Ferienruhe. Heute auch ein leuchtender Tag nach vielem trüben Wetter. Der Curator wartet noch immer auf das Enkelkind.

Herzliche Grüsse und Wünsche für Euch von uns

Dein

M. Fürbringer

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
25-04-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1254
ID
1254