Altmann-Bronn, Ida

Ida Altmann-Bronn an Ernst Haeckel, Rombach, 12. Juni 1915

Rombach, Lothringen, den 12. Juni 1915

Gartenstraße 17I

Hochverehrter Herr Geheimrat,

Verehrungswürdigster Meister!

Wieder und immer von neuem muß ich Ihnen danken und habe dabei doch das Gefühl, daß ich niemals imstande sein werde, meine ganze Dankesschuld an Sie abzutragen. Wie ich schon in meinem kurzen Beileidswort erwähnte, hatten wir aus der Vossischen Zeitung ersehen, daß Ihnen die teure Gefährtin Ihres arbeits- und ruhmreichen Lebens entrissen worden war. Dem tiefen Gefühle der Mittrauer gesellte sich eine unendliche Dankbarkeit hinzu, als Ihre so persönliche Mitteilung von dem unersetzlichen Verluste eintraf, den Sie erlitten hatten, gestatteten Sie uns doch damit, unmittelbaren Anteil am eigensten Ihres Erlebens zu nehmen.

Freilich hatten Sie ja, als die teure Dahingeschiedene bereits auf dem Kranken-||bette lag, uns gleichsam eine Lebensweihe zuteilwerden lassen in jener unvergeßlichen, erhebenden Stunde des Frühlingsauferstehungsfestes, in der mein Lebensgefährte und ich das Glück hatten, von Ihnen empfangen zu werden. Meinem Gefühle nach ist, wer eine solche Stunde hat erleben dürfen, für sein ganzes Leben davor geschützt, jemals etwas ganz Schlechtes begehen zu können.

Angesichts des nahen Sonnenwendetages erlaube ich mir, Ihnen anbei eine kleine Erzählung, die auf diesen Tag Bezug hat, zu überreichen.

Indem ich den Wunsch und die Hoffnung ausspreche, daß Ihr Befinden zufriedenstellend sein möge, bitte ich Sie, teuerster Meister, meines Mannes und meine ehrerbietigsten Grüße zu empfangen.

In unwandelbarer Dankbarkeit

Ihre treu ergebene

Ida Altmann-Bronn.

 

Letter metadata

Verfasser
Empfänger
Datierung
12.06.1915
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8784
ID
8784