Rosenthal, Eduard

Eduard Rosenthal an Marie Holgers, Bad Steben, 4. September 1921

Bad Steben 4.9.21

Hochverehrtes, gnädiges Fräulein,

Ihre freundlichen Zeilen v. 30. v. Mts. erreichten mich hier. Selbstverständlich erinnere ich mich Ihrer u. kann noch den Punkt angeben, an dem unser unvergeßlicher Ernst Häckel mich mit Ihnen bekannt machte, wie er auch selbst in dankbarer Freundschaft Ihrer gedachte.

Ich begreife es wol, daß Sie von Plates Angriffen angewidert sind. || Mir war während dieses ganzen Prozesses unendlich weh zu Mute. Daß man so das Andenken eines so hochstehenden Mannes zu verunglimpfen wagte. Pl. hat gar kein Organ, um eine so hochstehende Individualität überhaupt verstehen zu können. Prof. Schmidt wird jetzt, wie er mir sagt, in einer Brochure den wahrheitsliebenden Pl. durch || Gegenüberstellen dessen, was er früher schrieb u. jetzt sagt, darstellen.

Ich tröstete mich immer mit der Auffassung, man dürfe Pl. nicht ernst nehmen. Aber er stellt viel Unheil an. Ich will jedenfalls mit P. Nichts mehr zu tun haben. – Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Absicht Erinnerungen um E. H. aufzuzeichnen ausführen würden. Inwieweit es notwendig ist kurz auf Pl. einzugehen wird || sich erst nach Erscheinen der Schmidtschen Schrift beurtheilen lassen. Gerade in diesen Tagen wurde ich wieder schmerzlich an H. erinnert durch den Rettungstod von Dr. Hantzsch, des Gatten seiner Lieblingsenkelin.

In vorzüglicher Hochachtung

Ihr

sehr ergebener

Professor Rosenthal (Jena)

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
04.09.1921
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 50907
ID
50907