Haeckel, Charlotte Auguste Henriette (1799 - 1889)

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Berlin, 5. Februar 1868

Berlin d. 5ten

Februar 1868.

Meine liebe Agnes!

Diesmal wirst Du einen Leinewandbrief erhalten, da ich neulich ganz vergessen hatte davon zu schreiben. Du schreibst die Leinewand sei feiner ausgefallen, als Deine Schwester Bertha sie wünsche, das thut mir leid, aber es schadet nicht, schicke sie mir nur her, ich kann sie hier verbrauchen; schreibe mir aber || 1) was sie kostet, 2) Soll ich es mit Herrn Lampert berechnen oder habt Ihr von dort das Geld hingeschickt. Bitte, gieb mir darauf Antwort. – Wenn Bertha die Hemden wärmer wünscht, so ist es am beßten sie nimmt Kreas. – Kreas wird in Schlesien die Leinewand genannt die auch [!] gebleichten Garn gewirkt wird. So wie sie vom Webstuhl kommt heißt sie ungeklärte Kreas. || Wird sie aber dann noch 14 Tage gebleicht so heißt sie ungeklärte [!] Kreas. Die meisten Frauen behaupten Kreas sei haltbarer als Bleichleinen, ich finde es nicht; Bleichleinen ist im Verhältniß der Feine immer billiger als a Kreas. –

Ich schicke Dir hierbei zur Ansicht ein paar Proben bei, von Stücken, die ich grade für mich noch liegen habe: N. I ist geklärte Kreas und kostet das Schock 12 Th. 25 sg, || N. II ungeklärte Kreas kostet das Schock 11 Th 10 sg. – Darnach kann man den Preis bestimmen, soll sie feiner sein bestellt man sie theuerer; gröber wohlfeiler. –

Dann schicke ich Dir zur Ansicht noch eine Probe N. III, ist Baumwollkreas, natürlich billiger als Leinwand, wird im Waschen sehr hübsch; mir fiel ein, wenn Bertha wärmere Hemden will, ob sie dann || nicht solch Baumwollkreas oder Schirting nehmen wollte. –

Hoffentlich ist Dir Deine Wäsche gut bekommen, wir haben auch in der vorigen Woche Wäsche gehabt, es trocknete aber so spät, daß wir erst Montag rollen, und gestern Plätten konnten; da schicke ich Dir die 2 Hemden für Ernst, die fertig sind; aber || sie müssen noch gezeichnet werden; im Ganzen wird er 14 bekommen, ich werde sie Dir immer so nach und nach schicken, die fertig sind. –

Morgen wird Hulda zur Hochtzeit ihres Bruders nach Kyritz, da werden wir Freitag bei Bertha essen. –

Da der Kaffe Dir so gut schmeckt, schicke ich Dir noch 6 lb mit. Von Dir || habe ich bei der Wäsche 1 Taschentuch gefunden, was hierbei kommt, wie auch ein paar Handschuh, die wohl von Ernst sind. Auch die vergessenen Stricknadeln folgen bei. –

Hoffentlich ist Deine liebe Mutter wieder ganz munter, grüsse sie wie auch Deine lieben Schwestern herzlich von

Deiner

Dich herzlich liebenden

Mutter Lotte.

a gestr.: Bleichleinen

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
05-02-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 49285
ID
49285