Haeckel, Karl; Haeckel, Hermine

Karl Haeckel an Charlotte, Carl Gottlob und Ernst Haeckel, Landsberg a . d. Warthe, 29. September 1864 , mit Beischrift von Hermine Haeckel

Landsberg d. 29/9 64.

Liebe Aeltern!

Die Sendung der 25 rℓ nebst Ernst’s Brief erhielt ich richtig am Sonntag früh, kurz bevor ich mit den beiden ältesten Jungen eine Exkursion nach den Horstbergen antrat. Wir gingen auf Umwegen mit noch einigen Bekannten dorthin und fuhren p. Bahn zurück. Die Jungen sind schon recht gut zu Fuß. Gestern sind sie mit anderen Knaben nach dem Jägerwerder gewesen, auf dem Raupen- und Käferfang. Ein Raupenkasten zum Füttern und Verpuppen der Biester ist nach Dr. Haage’s Anleitung auch angelegt und das Sammelgeschäft im besten Flor.

Mimmi ist heut früh mit ihrer Schlafstelle umgezogen und alles bereit; nun wünsche ich nur, daß Tante Bertha erst noch richtig hier ist. Wir erwarten sie Sonntag. Du, lieber Ernst, bittest mich, nächstens herüberzukommen. Ich muß aber doch erst den Akt hier abwarten. Ist alles in Ordnung, so komme ich den 9t Octo be r; da bist Du ja noch da. Gehst Du morgen oder übermorgen in die Stadt, so kauf mir doch einen Charles XII von Voltaire antiquarisch. Carl, der ungelenke Tertianer, braucht ihn und ich habe keinen besessen. Auch Hermann ist versetzt, Anna wird es morgen, wo ihr öffentliches Examen ist. || Herzl. Gruß und Dank für den zurüc kfolgenden Brief über die Reise. Dein und Euer Karl

Vergiß auch nicht den Rost herauszusuchen und Tante Bertha mitzugeben. Er müßte in der Kiste No. 10 oder in F. H. Berlin N 54 sein.

[Beischrift von Hermine Haeckel ]

Herzlichen Gruß Euch Allen, hoffentlich der letzte bevor ich mich lege. Sehr glücklich bin ich, daß Tante Bertha schon Sonntag kommen kann, das ist sehr nett von ihr. Grüßt sie recht herzlich, die Kinder wollen sie alle abholen und freuen sich sehr. Heute bin ich eingezogen und ganz gerüstet. Gebe Gott, daß erst alles vorüber sei, und das Kind sich kräftiger entwickle, wie der Ernst, der bis jetzt seinem Patenonkel keine große Ehre macht, aber niedlich und lieb ist. In Bezug Deiner Anfrage wegen alter Leinwand, so danke ich jetzt für diese, nehme aber ein paar alte Servieten sehr dankbar an. – Wenn ich auch hoffe, daß Karl noch nach Berlin kommt solange Ernst dort ist, so ist es doch mindestens zweifelhaft, daher möchte ich mit Dir, liebe Mutter, etwas besprechen, ehe Karl Ernst darnach fragt, Du weißt am Besten, ob Ernst es thun will, trennt er sich nicht gern davon, dann bitte frage ihn gar nicht darnach. Ich muß nämlich nothwendig ein Möbel haben um die Sachen der Kinder unterzubringen, es will sich nun gar nicht mehr unterbringen lassen. Nun ist mir eingefallen, ob Ernst vielleicht das kleine Mahagonie Spindchen von Anna nicht mehr braucht, ich würde es ihm abkaufen und es Anna zu Weihnachten schenken, sie könnte alles auch Schulsachen darin legen und immer für sie bleiben. Hat nicht Ernst auch noch seinen Kleiderschrank, den er bei Euch zu Hause hatte? Braucht er den etwa auch nicht mehr und würde er uns denselben verkaufen? Solch Wesen muß || [Text bricht ab ]

 

Briefdaten

Datierung
29-09-1864
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 44689
ID
44689