Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Charlotte und Carl Gottlob Haeckel, Freienwalde, 1. Februar 1863

Freienw. 1 Febr

1863.

Liebe Eltern!

Das nenne ich doch ein glückliches Zusammentreffen! – Heute Vormittag 9½ Uhr ist das sehnlichst erwartete Kindchen, ein kräftiger Junge, glücklich zur Welt gekommen. Gestern Abend ½12 Uhr fing es an, nachdem Mimmi schon die Hoffnung aufgegeben hatte, während meines Hierseins die Sache abzumachen. Es dauerte diesmal länger als sonst, weil die Wehen anfangs seltener und schwächer kamen. Aber es ist doch bis jetzt alles gut abgelaufen. – Ich kann nur noch die Woche bleiben. Heute Abend 6 Uhr reise ich nach Berlin – wo ich gerade Zeit habe von einem Bahnhof zum andern zu fahren und nach Landsberg mit dem Schnellzuge der Ostbahn weiter. Um 3 Uhr früh bin ich an Ort und Stelle.

Tante Bertha grüßt, ebenso Mimmi der es nach Umständen gut geht. Die Kinder sind wohl und selig über das Brüderchen und die Storchdüten.

Mit herzlichen Grüßen euer Gott innig dankbarer Sohn

Carl.

v.s.pl. ||

Was meinst Du, Alter wird es ein Parlaments-Soldat werden, oder als Sonntags Kind das noch dazu während des Leutens zur Vormittagskirche zur Welt kam, ein tüchtiger Streiter reitend für Gottes Wort?

An Tante Gertrud und Jacobi’s laßt Ihr es wohl sagen. Morgen früh oder Mittag erhaltet Ihr weitere Nachricht und einige schriftliche Anzeigen, die beiliegende für Tante Voss bitte ich bis gegen 10 Uhr Vormittags an die Redaktion (Breitestr. 8) zu senden und gleich bezahlen zu lassen. An Ernst schreibe ich direkt.

d. O.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
01-02-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 44685
ID
44685