Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Potsdam, 12. April 1875

Potsdam 12/4 75.

Liebe Agnes!

Herzlich danke ich Dir für die heute erhaltene gute Nachricht von unserem Ernst, von Dir und den Kindern; haltet Euch nur ferner so. Wie sehr freue ich mich mit Dir, daß es Ernst so gut geht und er auch über seine Ergebnisse für die Wissenschaft befriedigt ist. Noch ganz besonders freue ich mich auf Erfüllung der Hoffnung, die er mir macht, daß er zu Pfingsten mit Dir und den Kindern zu mir kommen will. Es ist ja schon seit langem von mir ein sehnlicher Wunsch, Euch, Lieben, zusammen bei mir zu haben, und ich || bitte Dich dringend, liebe Agnes, mache nur keine Schwierigkeiten, und denke dabei welche Freude Du mir machst. – Heute habe ich in Gedanken schon alles geordnet: in der einen Stube wirst Du mit Ernst und Walter schlaffen, und in der andern neben an: ich mit den Mädchen, die Du doch mitbringst, und Lisbet und Emma. – Ach, wie freue ich mich auf die Kinder, die gewiß schon wieder recht verändert sind.

Du wünscht, ich soll Dir genau meine Wohnung angeben, die ist: Breitestraße Nummer 20. – || Ich hatte es Dir schon früher geschrieben, und auch noch auf der Adreßkartte die das Päckchen begleitet bemerkt. Da Du es nicht gesehn hast, vermuthe ich, daß Du nicht nachsiehst ob noch etwas bemerkt ist; man schreibt ja häufig noch etwas auf den Streiffen, den der Postbothe beim Bringen abreist; und übergiebt. – –

Am vorigen Mittwoch war ich auf einen Tag in Berlin, besorgte Geschäfte bei Herrn Joachim und war dann bei Bertha; von ihr hörte ich auch, daß es Deiner kleinen Nichte, Mariens || Töchterchen, die früher so sehr an den Augen litt, jetzt sehr gut ginge, daß sie gesund und kräftig sei. – Grüsse Deine liebe Mutter herzlich von mir, Ernst wird sich, wenn er aus dem Süden heimkehrt recht vor Erkältung hüten müssen, es ist ja in diesem Jahr so sehr kalt. –

Karl und Clara sind mit den Kindern wohl; auch mir hat der Umzug nicht geschadet; nur machen mir die Augen viel zu schaffen. Wenn Du Ernst schreibst, so grüsse ihn von mir, ich werde ihm nicht mehr nach Corsika schreiben. Dir, liebe Agnes und den Kindern Herzinnigen Gruß und Kuß

der alten Großmutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
12-04-1875
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36641
ID
36641