Rechtenfleth d. 20 Dec 64.
Mein lieber treuer Häckel
Morgen geht nach viermonatlichem Aufenthalt hieselbsta mein lieber Freund Heinrich v. Dörnberg wieder zu seinen Eltern zurück. So magst Du aus Freundeshand diese Zeilen empfangen und aus Freundesmund allerlei Kunde von mir entgegennehmen also wirst Du verzeihen wenn diesmal mein Brief nicht eben lang ud ausführlich ist. Dörnberg kann Dir von mir erzählen so Viel Du hören willst wie es hier aussieht, wie wir gelebt, was geschafft und projectirt wurde, wie oft wir von Dir geredet b wie lieb ich Dich habe und welche Noth u Widerwärtigkeit c durch die unglückselige Brauereigeschichte mir zu Theil geworden, – genug Alles und Jedes. ||
Ein lebendig Wort ist doch besser als todter Buchstabe darum hab ich ihn gebeten gleich zu Dir zu gehen, zu Dir ud zu Brücke. –
Außer dem großen historischen Bilde der Einführung des Christenthums in den Marschen hat Dörnberg noch mich und meine liebe selige Mutter (nach einer Photographie) lebensgroß in Oel gemalt und endlich noch einige Compositionen zu dem historischen Friese gemacht die er bei sich hat um sie in Berlin zu vollenden. Sie sind voll Leben u Schönheit, Du mußt sie sehen ud wirst Dich darüber freuen. Wir wollen sie auch mit einem erläuternden Text von mir begleitet in Holzschnitt ud Tondruck heraus geben, ein Verleger ist bereits dafür gefunden. ||
Daß Du wieder auf längere Zeit nach Italien willst freut mich sehr. O wie gern zög ich mit Dir! Unser liebes Capri u Ischia mußt Du aber wieder besuchen d Die alten wohlbekannten schönen Stellen werden e tief Dein Herz berühren ud gedenken wirst Du jener glücklicheren Zeit, da wir uns ihrer gemeinsam erfreuten. –
Vor Allem aber mußt Du ehe Du hingehst erst nach Rechtenfleth kommen, sonst ists aus zwischen uns Beiden. Auch Deine lieben wackren Bremer Freunde sehnen sich sehr Dich wieder zu sehen.
Für jetzt weiß ich Nichts mehr || zu schreiben doch im Laufe des Winters soll ein längerer Brief an Dich abgehen. –
So lebe wohl u grüße Deine lieben Eltern ud behalte lieb
Deinen treuenHermann.
Im vorigen October waren die lieben alten Steinheims in Hannover u ließen michs wissen. Leider konnt ich nicht hin so gerne ich sie dort gesehen hätte. Am 25t d. M. feiern sie in Rom ihre goldne Hochzeit zu der ich eine Dichtung hinsende die mir über Nacht gekommen ist. –
a eingef.: hieselbst; b gestr.: wie; c gestr.: ich; d gestr.: es; e gestr.: Dich