Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Ziegenrück, 10. Januar [1854]

Ziegenrück 10/1

Mein lieber Herzens Ernst!

Eben erhalte ich Deinen lieben Brief, wofür ich Dir herzlich danke; den ich mit eben soviel Unruh erwarttet habe, als Du Nachricht von uns; und daß Du die nicht bekommen ist nicht unsere Schuld; da schon vor 14 Tagen ein Paket an Dich von hier mit der Post abgeschickt ist; das muß leider verlohren sein, Karl will nachher zura Post gehn und nachfragen. – ||

Karl und Hermine schickten Dir eine Stolle; dabei waren Briefe von uns gepackt, ich hatte noch einige Deskonfets und sonstiges Naschwerk dazu gethan; dazwischen hatte ich 2 Briefe von Vater gethan und einen fünf Talerschein, wovon Du die Fracht der Berliner Kiste und das Porto für das Paket bezahlen solltest; ich wünsche nur daß Du es || noch erhalten hast; es wäre mir sehr ärgerlich, wenn das in fremde Hand gekommen wäre. –

Wir hatten Dir dabei geschrieben, wie wir den Heiligabend still in unserem kleinen Kreis aber heiter verlebt und glücklich im Besitz des lieben Jungen; an dem Du Deine große Freude haben wirst. Am ersten Feiertag Nachmittags als Doctors hier waren, kam Deine Schachtel und Deine || Liebe, die aus allem sprach, hat uns viel Freude gemacht. Das und unsern Dank ist alles in das Paket gepackt und am 2ten Feiertag von hier abgegangen. –

Hermine hat zwar ihre Stube noch nicht verlassen, doch geht es ihr leidlich wohl; der Junge gedeiht prächtig. –

Am 18ten wird nun wohl die Taufe sein, wo Du Gevatter stehst; wie schön wäre es wenn Du bei uns sein könntest; doch sehe ich wohl ein, daß Du bei der Kälte die Reise || [ ]

Daß ich in den Festtagen und beim Jahreswechsel täglich, ja stündlich mit der innigsten Liebe Deiner gedacht habe brauche ich Dir wohl nicht erst zu sagen, meine Wünsche für Dein Wohl hatte ich Dir in dem neuen, wahrscheinlich verlohren gegangenen Brief ausgesprochen. Wie viel spreche ich jetzt von Dir, und muß ich doch immer daran denken, wie Du Dich über unser || Jungelchen freuen wirst; es ist auch ein gar zu drolliger kleiner Kerl; und sieht einen schon so herzig mit seinen lieben Augen an. Du kannst Dir kaum einen glücklicheren Vater denken als Karl ist; wenn der Aermste nur nicht so gar viel zu arbeiten hätte. Zu meinem höchsten Glück gehört es auch, daß Ihr beiden Brüder Euch so lieb habt, dabei möge es auch immer bleiben. Schwerlich werde ich Dir von hier noch einmal schreiben können; denn ich werde in der nächsten Zeit tüchtig zu thun haben.b

a gestr.: auf die; eingef.: zur; b Text weiter auf S. 3-4 von Br. 204: Daß ich … zu thun haben.

Brief Metadaten

ID
36091
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Preußische Provinz Sachsen
Datierung
10.01.1854
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
6
Umfang Blätter
4
Format
13,5 x 21,6 cm; 13,2 x 21,5 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 36091
Zitiervorlage
Haeckel, Charlotte an Haeckel, Ernst; Ziegenrück; 10.01.1854; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_36091