Hans Meyer an Ernst Haeckel, Leipzig, 12. Januar 1914

BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT.

LEIPZIG, 12/1.14.

Lieber Vater,

Vor Kurzem ist beim Verlagshaus Vita in Berlin ein Bilderwerk mit Text von Dir erschienen, Titel: Ernst Haeckel, Die Natur als Künstlerin. Das Bibliographische Institut hatte, ehe wir wussten, dass es sich um ein solches Buch handelt, seine Zustimmung zur Wiedergabe || einiger Figuren aus Deinen „Kunstformen der Natur“ gegeben. Die Berliner Vita hat aber viel mehr reproduziert. Wir haben deswegen den Verleger um angemessene Entschädigung ersucht und dieselbe vor einigen Tagen auch erhalten.

Da das neue Buch eine grosse Verbreitung findet, tut es leider unsern „Kunstformen“ stark Abbruch. Hättest Du uns von Deiner || Absicht, ein solches Buch herauszugeben, eine Andeutung gemacht, so würden wir Dir mit Hinweis auf den § 8 unsres Vertrages entschieden widerraten haben, welcher lautet: „Herr Prf. Haeckel verpflichtet sich, an keinem Werk mitzuarbeiten, das den „Kunstformen der Natur“ Konkurrenz machen könnte“. Nun ist trotzdem die Konkurrenz geschaffen und wir müssen sehen, wie wir sie am besten || von uns abwenden.

Zu diesem Zweck wollen wir nun schleunigst eine billige, kleine Ausgabe der „Kunstformen“ machen, in die wir neben ca. 30 Deiner Tafeln noch etwa 20 andre aus unserm Verlag, mit Kunstformen der Natur (Kristalle, Blumen, Zellen, Lichterscheinungen etc.) aufnehmen. Wir haben in unsren naturkundlichen Werken, im Konversationslexikon etc. ein grosse Fülle solcher Bilder, die sich vortrefflich || zu diesem Zweck eignen.

Zur Einleitung aber möchten wir ein Vorwort von Dir haben, das nur kurz zu sein braucht, sich aber aufs Ganze bezieht.

Zugleich möchten wir das Buch als eine schöne Jubiläumsausgabe zu Deinem 80. Geburtstag herausgeben. Wenn es auch höchst || wahrscheinlich nicht zum 16.II. fertig wird, kann es doch zu Ostern auf dem Büchermarkt erscheinen. Das wäre aber der späteste Termin, wenn wir uns vom Buch des Vitaverlags nicht allzuviel Schaden antun lassen wollen.

Bitte überlege Dir die Sache und gib mir bald einen, hoffentlich bejahenden, Bescheid. Ich gedenke nächsten Sonntag || Nachmittag nach Jena zu kommen, wo wir den Vorschlag näher besprechen können.

Nur bitte ich Dich, den Herren des Vitaverlags und Herrn Breitenbach nicht von unsrer Absicht mitzuteilen.

Mit herzlichem Gruss

Dein

Hans.

Brief Metadaten

ID
35724
Gattung
Brief ohne Umschlag
Verfasser
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
12.01.1914
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
7
Umfang Blätter
4
Format
13,8 x 21,2 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35724
Zitiervorlage
Meyer, Hans an Haeckel, Ernst; Leipzig; 12.01.1914; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_35724