Graz 29.12.69
Lieber Freund
Als heute das Schwamm-Avis ankam – die Viecher selbst sind noch auf der Mauth – rief ich aus: „Der Teufel hole die verdammten Schwämme!“ Glücklicher Weise fand ich eben, als ich gestern an Sie das kleine Paket abgesendet noch einige, wie mir scheint schon merkwürdige Dinge von Florida, die ich nun Ihnen zur Strafe nachfolgen lasse. Die Grönländer würde ich Ihnen natürlich auch vollständigst überlassen haben, wenn ich nicht schon mit der Publication angefangen hätte; auch erheischt es die Aufgabe, die ich mir gestellt, wenigstens im Vorübergehn der Kalkspongien zu gedenken, und den Anlass || sollen mir eben die Grönländer geben.
In der Eile habe ich gestern auch den Dank für die Siphonophoren vergessen, die mir gerade für die Vorlesungen zu passe kamen. An ein gründliches Durchstudiren, ausser den Entwicklungs-Dingen, die ich verschlungen habe, konnte ich aber noch nicht denken. Ich sehne mich nach einiger Ruhe von Spongien, um einmal anderwärts wieder nachholen zu können.
Mit den Species geht’s mir genau so, wie Ihnen. Die Hexactinelliden – so nenne ich die Hyalonema-artigen, mit Farrea, Aphrocallistes etc – sind eine Gruppe für sich. Aber innerhalb derselben ist ein ebenso chaotisches Wogen, wie in den anderen Gruppen.
Auch Gegenbaurs II. Auflage habe ich kaum noch durchblättern können, aber doch so viel gesehn, dass es ein herrliches Buch ist. ||
Morgen noch einige Zeilen, nachdem ich den Färinger angesehen. Wo stehn denn die Sars’schen Spongien? Einstweilen auch noch die Entschuldigung, dass ich nicht frankirt habe, ich pflege aber alle diese Sendungen als öffentliche anzusehn, indem mindestens Praeparate für die öffentlichen Sammlungen abfallen, welche mithin mit dem Porto nicht bezahlt werden.
Donnerstag
Den Schwamm, den Sie mit Stichostemma bezeichnen, will a Thomson als Fisiphoria agariciformis beschreiben. Ich habe ihn sehr vermückert auch von Florida.
Herzlichen Gruß.
Ihr
Oscar Schmidt ||
Haeckel
Jena
a gestr.: car