Theodor Wolff an Ernst Haeckel, Berlin, 5. Oktober 1893

Berlin 5/10.93

Hochverehrter Herr Professor!

Ich komme heute mit einem Anliegen, oder einer Frage, die ich Sie aber gleich im Anbeginn bitte, mir nicht verübeln zu wollen. Ich gehe heute Abend mit dem mehr als delikaten Auftrag nach Kissingen, dort über des Fürsten Bismarck Befinden authentische Erkundigungen einzuziehen. Die Nachrichten widersprechen sich bisher ungemein, die einen lauten sehr trübe, andere hoffnungsfroher. Das muß im Publikum erklärliche Unruhe erzeugen.

Unser Blatt gehört zu denen, die den Fürsten oft genug politisch bekämpften. Das hindert uns nicht, uns vor seiner Größe zu beugen. Grade die Gegner dieses gewaltigen || Mannes sind, wie ich meine, oft seine größten Verehrer.

Was ich bei Ihnen erfragen will, ist das Folgende: ist es Ihnen möglich, mir ein paar Zeilen liebenswürdiger Empfehlung an Professor Schweninger, den Sie, wenn ich nicht irre, gut kennen, nach Kissingen zu senden? Ist’s Ihnen aber peinlich, dann bitte schlagen Sie mir’s ohne Weiteres ab. Aber wenn’s ginge, würde ich Ihnen sehr dankbar und gern zu allen Gegendiensten bereit sein.

Ich werde Ihnen von Kissingen aus gern auch direkt Bericht erstatten und hoffe nur, daß es ein erfreulicher Bericht || wird. Auf alle Fälle bitte ich Sie noch einmal, diesea der Noth entsprungene Anfrage verzeihen zu wollen.

Mit ergebenstem Gruß

Ihr dankbarer

Theodor Wolff

Adr. Kissingen, Hotel de Russie.

a korr. aus: diesen

Brief Metadaten

ID
14814
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
05.10.1893
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
3
Umfang Blätter
2
Format
11,3 x 17,7 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 14814
Zitiervorlage
Wolff, Theodor an Haeckel, Ernst; Berlin; 05.10.1893; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_14814