Berlin 5/10.93
Hochverehrter Herr Professor!
Ich komme heute mit einem Anliegen, oder einer Frage, die ich Sie aber gleich im Anbeginn bitte, mir nicht verübeln zu wollen. Ich gehe heute Abend mit dem mehr als delikaten Auftrag nach Kissingen, dort über des Fürsten Bismarck Befinden authentische Erkundigungen einzuziehen. Die Nachrichten widersprechen sich bisher ungemein, die einen lauten sehr trübe, andere hoffnungsfroher. Das muß im Publikum erklärliche Unruhe erzeugen.
Unser Blatt gehört zu denen, die den Fürsten oft genug politisch bekämpften. Das hindert uns nicht, uns vor seiner Größe zu beugen. Grade die Gegner dieses gewaltigen || Mannes sind, wie ich meine, oft seine größten Verehrer.
Was ich bei Ihnen erfragen will, ist das Folgende: ist es Ihnen möglich, mir ein paar Zeilen liebenswürdiger Empfehlung an Professor Schweninger, den Sie, wenn ich nicht irre, gut kennen, nach Kissingen zu senden? Ist’s Ihnen aber peinlich, dann bitte schlagen Sie mir’s ohne Weiteres ab. Aber wenn’s ginge, würde ich Ihnen sehr dankbar und gern zu allen Gegendiensten bereit sein.
Ich werde Ihnen von Kissingen aus gern auch direkt Bericht erstatten und hoffe nur, daß es ein erfreulicher Bericht || wird. Auf alle Fälle bitte ich Sie noch einmal, diesea der Noth entsprungene Anfrage verzeihen zu wollen.
Mit ergebenstem Gruß
Ihr dankbarer
Theodor Wolff
Adr. Kissingen, Hotel de Russie.
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