Gegenbaur, Carl

Carl Gegenbaur an Ernst Haeckel, Jena, 10. November 1858

Lieber Häckel!

Sie werden es mir nicht übel nehmen daß ich so spät dazu komme für die Mittheilung Ihrer Verlobung Ihnen Dank zu sagen und zugleich meine herzlichen Glückwünsche zu melden. Es sind letztere deßhalb doch nicht minder aufrichtig gemeint, und ich freue mich um so mehr über Ihren Schritt als ich aus fester Ueberzeugung sage, daß derselbe Ihnen nichts weniger als ein Hindernis in Ihrer beabsichtigten Laufbahn sein wird. –

Der Grund weshalb ich erst jetzt Ihren schätzbaren Brief zu beantworten im Stande bin, liegt in der massenhaften Arbeit die seit ich die anatomische Stelle angetreten über mich gekommen ist, und mich sogar hindert mein neues Buch endlich das Licht der Welt erblicken zu lassen. Ich habe in dem anatomischen Institut, (wenn es diesen Namen verdient,) einen größeren Augiasstall zu säubern als ich mir im entferntesten hätte träumen || lassen, und bin wahrscheinlich auf Jahre hinaus an jenes Geschäft gefesselt, da ich es mir als Lebensaufgabe gesetzt habe zunächst die mir untergebenen Anstalten in a einen leidlichen Zustand zu bringen. Doch hoffe ich immer noch wenigstens für den nächsten Herbst südwärts ziehen zu können, und würde mich sehr freuen, wenn es, wie Ihr Brief mich hoffen läßt, möglich wäre daß wir uns irgendwo am Meeresstrande treffen könnten. Unterlassen Sie daher nicht mir gelegentlich Nachricht von Ihrem Aufenthalte und Ihren fernern Reiseplänen zukommen zu lassen.

Mit freundlichem Gruße

Ihr ergebener

Gegenbaur

Jena, 10 November | 1858.

a gestr.: den

 

Letter metadata

Verfasser
Empfänger
Datierung
10.11.1858
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9911
ID
9911