Bölsche, Johanna

Johanna Bölsche an Ernst Haeckel, Mittel-Schreiberhau, 28. Juni 1912

Mittel-Schreiberhau 28./6.12.

Lieber Freund,

als wir neulich Ihr wunderhübsches Museum besuchten, erregten die dort aufgestellten Wespennester meine Aufmerksamkeit so, daß ich mir vornahm, wenn eben möglich Ihnen auch ein paar deutsche d. h. schlesische zu besorgen. Hoffentlich lachen Sie mich damit nicht aus, es sind fertige u. angefangene Wespen- und ein Hornissennest (angefangen). ||

Packen Sie bitte vorsichtig aus, erstens sind die Dinger sehr zerbrechlich und zweitens könnte noch solch Insekt aus den Eiern ausgekrochen sein. Die Kinder haben sich über die beiden Inschriften und Malereien sehr gefreut, sie werden noch besonders danken, wenn sich der erste Freiheitswunsch gelegt haben wird. Willi’s Bücher an denen ich mich vorerst einmal etwas erfreue, sowie Ihren lieben Brief, verwahre ich ihm bis er (jedenfalls im Laufe der kommenden Woche) hier eintrifft. Der frohe Tag den wir mit Ihnen verleben durften, wird mir eine freudige Erinnerung sein, bis er durch einen noch schönren mit Ihnen im kommenden Jahr, in den Hintergrund gedrängt || wird. Wie wäre es, wenn Sie mit Ihrer lieben Frau Tochter ein paar Wochen hierher kämen. Gegenüber uns ist ein reizendes Bauernhaus zu vermieten, mehr wie bequem für Sie, ich könnte mir für Willi nichts Schönres denken als mit Ihnen zusammen sein zu können. Bereden Sie es einmal mit Frau Prof. ohnehin hätte sie ja schon Lust dazu gehabt. Aber was geschehen soll, muß bald geschehen, sonst geht das Häusel in andere Hände. Mit nochmaligen viel herzlichen Grüßen

Ihre

Johanna Bölsche

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
28-06-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9718
ID
9718