Bölsche, Wilhelm

Wilhelm Bölsche an Ernst Haeckel, Friedrichshagen, 30. Dezember 1902

Kaiserstraße, Abbé‘sches Haus.

30.XII.1902.

Lieber Herr Professor!

Herzliche Wünsche zum neuen Jahr! Möchte ich Sie auch in ihm in so prächtigem Wohlsein sehen, wie im letzten! Ich erfreue mich jetzt, nach Ausgabe der beiden Bücher, eines gewissen Interregnums von größerer Arbeit. Am meisten beschäftigt mich jetzt die Bearbeitung der morphologischen Schriften Goethe‘s für die Meyersche Ausgabe. Es ist eine sehr hübsche und lohnenswerte Zwischenarbeit. Ihren köstlichen Sammelband der Vorträge und Abhandlungen habe ich mit viel || Freude durchgesehen und gleich in einem kleinen Aufsatz für die „Neue Zeit" besprochen. Nun müßte nur noch ein Band Ihrer kleineren Reiseskizzen (Algier etc.) dazu, – und dann die „Geschichte des Darwinismus". Ich lese eben Königsberger‘s große Biographie von Helmholtz – und bin, obwohl es ein ganz gutes Buch ist, auf Schritt und Tritt ärgerlich, daß Helmholtz uns das nicht selbst geschrieben hat. Lassen Sie sich‘s ja noch einmal an‘s Herz legen. Eine Selbstbiographie ist doch mit nichts zu ersetzen. Wie blaß wird Goethe‘s Leben an der Stelle, wo „Wahrheit und Dichtung" abbricht!

Mit herzlichsten Grüßen

Ihr

Wilhelm Bölsche

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
30-12-1902
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9633
ID
9633