Bölsche, Wilhelm

Wilhelm Bölsche an Ernst Haeckel, Friedrichshagen , 12. Februar 1902

12.II.1902.

Lieber Herr Professor!

Verzeihen Sie, daß ich nicht eher geantwortet und für Ihre freundliche Zusage gedankt habe, aber eine kleine Reise zu einem Vortragszweck fiel grade dazwischen. Sie haben mir eine große Freude bereitet! Das Buch wird durch diese Zuthat ein ganz anderes werden. Als Erscheinungstermin ist etwa der September in Aussicht genommen, die Sache kann also in aller Ruhe gemacht werden. Immerhin möchte ich Sie bitten, mir, so bald es Ihre Zeit grade einmal erlaubt, die Bilder zuzusenden. Der Verleger Dr. Bondi hat mir die Wahl gelassen, das Buch entweder mit etwa 16 Bildertafeln schwarz (od. doch in einer Farbe) oder 4 in Farben druck zu illustrieren. || Ich bin nun unbedingt für vier Farbenbilder, da es mir ja besonders grade um Farbenwiedergabe Ihrer Aquarelle zu thun ist, – eventuell noch außer-dem etwa zwei schwarze (od. einfarbige) Tafeln, falls ich Ihre Freundlichkeit für so viel in Anspruch nehmen kann. Das Format des Buches war annähernd geplant wie das des „Liebeslebens", jedenfalls eher größer als kleiner. Doch ließe sich das noch sehr den eventuellen Notwendigkeiten anpassen, da ja noch nichts gedruckt ist.

Das amerikanische Blatt habe ich sofort Wille gegeben, der den ganzen Aufsatz in seinem „Freidenker" abdrucken will.

Ich war in letzter Zeit öfter mit Dr. Friedmann aus Basel || (jetzt nach Berlin übergesiedelt) zusammen und wir haben viel gemeinsam Ihrer gedacht.

Ich glaube in Nordamerika ist ein riesiger Nährboden für moderne Ideen, wenn sie nur einmal dort herumkommen. Ich habe stark vor, einmal eine Vortragsreise dorthin zu machen, die mir vielleicht die materielle Grundlage schaffen könnte, meine alte Sehnsucht – Anblick der Tropen – erfüllt zu sehen. Ich würde dann über Südsee-Java-Ceylon heimfahren ! Vielleicht bekomme ich Scherl‘ s „Tag" dazu, daß er mich auf die Feuilletontour schickt! Dabei fällt mir ein: in Ihrer Abwesenheit in Insulinde hat dieser „Tag" einmal eine Skizze über Sie von mir gebracht, ich weiß nicht, ob Sie a sie gesehen haben, sonst sende ich ihn sie Ihnen. b Sie war ursprünglich zu ein paar sehr hübschen Bildern Ihres zool. Instituts geschrieben, nachher blieben aber die Bilder aus || irgend einem Bagatell-Grunde fort und der Text erschien allein, obwohl er so stellenweise fast unverständlich war. Zum Ueberfluß hatte die Redaktion noch aus eigener Machtvollkommenheit in den Text gepfuscht u n d Sie auf Grund einer Zeitungsnotiz nach „Celebes" reisen lassen. Dies bloß zur Klärung falls das opus Ihnen vorgekommen sein sollte!

Recht betrübt hat mich der Tod von Selenka , von dem ich grade vor kurzem noch die freundlichsten Worte über mein „Liebesleben" erhalten hatte.

Mit herzlichsten Grüßen

Ihr Wilhelm Bölsche

a gestr.: ihn; b gestr.: Er

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
12-02-1902
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9625
ID
9625