Anonymus an Ernst Haeckel, [Brünn, ca. 5. März 1912]

An

Herrn Professor Haeckel

Apostel des Unglaubens

in Jena.

Das, was Sie und viele Ihrer böswilligen Freunde an dem ewigen Glücke der Seelen mancher Menschen geschädigt haben, ist hierfüra nach irdischen Begriffen, die schwerste Strafe ganz und gar unzureichend.

Nur Gott im Himmel ist im Stande Sie für Ihre furchtbaren Freveltaten zu strafen, und diese Strafe wird aber ewig dauern. Sie wollen durch die von Ihnen konstruirte sogenannte Wissenschaft selig werden und wollen mit dieser konstruirten Wissenschaft auch andere – selig machen.

Und siehe! welcher Fluch auf Ihnen lastet. Es erstehen ehrliche Gelehrte die Ihre teuflische Wissenschaft ganz über den Haufen werfen. ||

Alles was Sie jemals gegen Gott gesprochen, geschrieben ja auch nur gedacht haben war eine bewusste, böswillige Lüge, das schwerste Verbrechen gegen Gott der Sie richten wird.

Nachdem Sie aber an Gott nicht glauben, das heisst nur so lange als Sie hier wandeln, so halte ich Ihnen die grossen wahrheitsliebenden Gelehrten wie Ehrlich in Frankfurt, Jamings [!] in Amerika und Freiherr von Uexküll in Heidelberg entgegen, die durch biologische Experimente nachgewiesen haben, dass die Arten sich nicht verändern, dass es eine Variation im Sinne Darwins überhaupt nicht gibt, dass vielmehr die Arten der Lebewesen selbst einen Organismus darstellen der sich aus verschiedenen Individuen zusammensetzt. Es fällt somit, durch die wahrheitsliebende Wissenschaft nachgewiesen, der ganze Aufbau der Darwinischen Entwickelungsteorie über den Haufen und es bleibt die – ewige Religion. ||

Nie haben Sie und werden es auch nie nachweisen können, dass Sie mit Hilfe Ihrer Sinne alles zu verstehen vermögen. Sie haben somit die ewige Verdammniss wohl verdient.

Und weil wir wünschen, das Sie das Jahr 1915b hier auf Erden noch erleben so teilen wir Ihnen mit, dass ein streng gläubiger katolischer Christ von Gott-Vater die Erlaubniss erhielt, durch den Traum, in die Zukunft blicken zu dürfen. Und diesem wurde im Jahre 1911c wörtlich folgendes geoffenbaret:

„Die jetzt herrschende Religionslosigkeit ruft nach der Strafe Gottes und es bereiten sich sehr ernste und schwere Zeiten vor.

„Die Menschen haben Gott, Seinen Sohn Jesus Christus und dessen Allerheiligste Mutter Maria, die grösste Königin, gekränkt und viel beleidigt und bis der Mond voll ist und zwei grosse schwarze Flecke hat, kommt die göttliche Vergeltung.“

Bis zum 13. April 1915 ist das Strafgericht Gottes über allen Religionslosen und Frevler vollzogen. ||

Diese profetischen Worte werden beschworen werden; sagen Sie also nicht sie sind unwahr. Ueber diese Profezeiung dürfen Sie nicht früher urteilen bis nach dem 13. April 1915.

Ein streng gläubiger

katolischer Christ.

a eingef.: hierfür; b eingef.. 1915; c gestr.: wurde; eingef.: im Jahre 1911

Brief Metadaten

ID
9527
Gattung
Brief ohne Umschlag
Verfasser
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Tschechische Republik
Entstehungsland zeitgenössisch
Österreich-Ungarn
Zielort
Datierung
05.03.1912
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
4
Umfang Blätter
2
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 9527
Zitiervorlage
Anonym an Haeckel, Ernst; Brünn (Brno); 05.03.1912; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_9527