Geheeb, Adalbert

Adalbert Geheeb an Ernst Haeckel, Geisa, 11. November 1868

Lieber, hochverehrter Herr Professor!

Wie lange schon war mir’s Bedürfniß, Ihnen noch einmal zu danken für all’ die Freude und vielfachen Genüsse, die Sie mir durch Ihre begeisterten, herrlichen Vorträge, sowie durch Ihre große Güte und Liebenswürdigkeit, durch Ihre liebenswürdige Theilnahme an meinen bryologischen Bestrebungen, bereitet haben! Wie undankbar stehe ich in Ihren Augen da! Seit fast 3 Jahren das geliebte Jena verlassen, und noch immer nicht das alte Versprechen erfüllt, noch immer keine Zeile des Dankes an Sie! – Verzeihen Sie, hochgeehrter Herr Professor, und erlassen Sie mir, die lange || Kette von Abhaltungen etc. Ihnen auseinanderzusetzen, die so vielen meiner Lieblingspläne hindernd entgegentraten. Sein Sie dennoch überzeugt, daß oft und gerne meine Gedanken bei Ihnen verweilt haben, daß Ihre höchst interessanten Vorträge immer in meinem Innern festklingen u. mir unschätzbare Genüsse bereiten. Und ein Blick in’s Herbarium führt mir die prächtigen Algen vor Augen, die ich Ihrer Güte verdanke, u. die mich oft an den liebenswürdigen Spender erinnern! –

Anstatt mich in Entschuldigungen zu erschöpfen, will ich meine Freude laut werden lassen, meine herzliche Freude darüber, daß Ihr schwerer Verlust den Sie, bei gütiger Vorzeigung des wunderschönen Alpenbouquets so schmerzlich mir beklagten, auf’s Glücklichste wieder ersetzt worden ist! Und zu dem zweiten freudigen || Ereigniß in Ihrer sehr werthen Familie, zur Geburt eines Söhnchen’s, die allerherzlichsten Glückwünsche! Meine geliebte Frau und ich wünschen von Herzen, daß der junge Weltbürger trefflich gedeihen, und daß Ihre sehr geehrte Frau Gemahlin der ausgezeichnetsten Gesundheit sich erfreuen möge! –

Erst in diesen Tagen ist es mir möglich geworden, das längst versprochene Moosbildchen für Sie zusammenzusetzen. Alles, was ich für Sie, lieber Herr Professor fühle und wünsche, habe ich in „Moose“ zusammengefaßt – mögen sie Ihnen Freude machen!!

Mögen Sie dieselbe Freude daran haben, die ich selbst || bei der kleinen Arbeit empfunden!

Bei dieser Gelegenheit gestatten Sie mir noch, Ihnen mittheilen zu dürfen, daß soeben der 6. Band meiner Moosgruppen, der einen Formenkreis des Thamnium alopecurum umfassen soll, in Arbeit ist. Wie sehne ich mich danach, Ihnen die Sachen einmal vorlegen zu dürfen! So Gott will, im nächsten Frühling oder Sommer, im Verein mit der lieben Frau, der ehemaligen „Mooscousine“. Ich bin unendlich glücklich verheirathet, seit d. 12. September 1867, – durch gemeinsames Streben im lieblichen Moosreiche haben sich unsre Herzen gefunden! Und am 8. September d. J. schenkte uns der Himmel einen kräftigen Knaben, einen jungen „Moosmann“ in spe! –

Leben Sie 1000 mal wohl, lieber, hochverehrter Herr Professor! Empfehlen Sie mich respectvoll Ihrer verehrten Frau Gemahlin und sein Sie meiner innigen Hochachtung und Liebe versichert!

Ihr treuer dankbarer Schüler

Adalbert Geheeba

Geisa, bei Eisenach, d. 11. November 1868.

Seit 1. April 1867 habe ich die väterliche Apotheke hier übernommen, u. befinde mich wohl dabei.

a Text weiter am linken Rand von S. 4: innigen Hochachtung … Adalbert Geheeb; b Text weiter am linken Rand von S. 2: Seit 1. April … wohl dabei.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11.11.1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 949
ID
949