Aegidi, Ludwig Karl

Ludwig Karl Aegidi an Ernst Haeckel, Hamburg, 24. Januar 1863

Lieber College Ernst!

Um ein gelehrtes Gutachten bitte ich Sie, wenn schon nicht um ein naturwissenschaftliches. Es handelt sich nicht um Radiolarien, sondern um die Lesart in dem alten Jenenser Liede

„Knaster den gelben,

Den uns Apolda präpariert“

gegen die böse Variante:

„Den uns Apollo präpariert“.

Wenn Sie, wie ich nicht zweifle, sich für die Lesart „Apolda“ äußern, so bitte ich zugleich Sich dahin auszusprechen, dass es keine Tabaksfabrik resp. Handlung eines Herrn Apollo oder Apoll in Apolda gegeben hat, an die meine Gegner hier anknüpfen.

Wollen Sie dem Scherz, der hier in großer u. heiterer Versammlung Platz finden soll, || große Güte und Geneigtheit zuwenden, so bezeichnen Sie ihn als Jenenser Weisthum und lassen von Ihren Collegen und Freunden möglichst Viele dasselbe als von „kundigen Männern“ durch Namensunterschrift verherrlichen .

Hätte ich Aussicht, bis zum 10t Februar dieses bedeutende Gutachten mit Ihren obligaten Verwünschungen von wegen meiner Zudringlichkeit zu empfangen?!

Ich richte diese Bitte an Sie und weiß doch nicht, ob, wenn der frohe Kreis sich versammelt, für den ich Sie behellige, mich nicht tiefe Trauer von ihm trennen wird. Meine Schwester in Prag ist fast hoffnungslos krank! Wie Professor Halla, ihr Arzt, meint: eine Tuberkel Erweichung mit hektischen Fieber!!

Ihrer verehrten Gattin empfehlen Sie mich bestens.

Schelten Sie nicht und erfüllen Sie mit großartigem Ernst meine von wissenschaftlichem Wahrheitssinn wie von Interesse für Jena dictirte Supplik.

Herzlich

Ihr Aegidi

24. Januar 63. Hamburg,

Glockengießerwall No 3. (doch auch ohne Adreße)

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
24-01-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 9024
ID
9024