Alberts, Karl

Karl Alberts an Ernst Haeckel, Wiesbaden, 17. Dezember 1876

WIESBADEN, DEN 17. Dezember 1876

Hochverehrter Herr!

Auch ich freue mich sehr, nach dem ablehnenden Briefe des Herrn Dr. Krause (der dankend hier wieder zurück erfolgt) noch eine Zusage erhalten zu haben, die ich Ihrer gütigen Fürsprache verdanke. Zwar wird die Besorgung der Redaction durch die Einbeziehung von Berlin in die Linie Wiesbaden – Heidelberg – Stuttgart nicht eben vereinfacht; jedoch meine ich, dass bei allseitig gutem Willen unleidliche Mißstände nicht daraus erwachsen werden. Die beiden Fachredacteure (Dr. Caspari für die philosophische, Prof. Jäger für die naturwissenschaftliche Abtheilung) kann ich nach den bisherigen Verhandlungen nicht wohl umgehen. Auch halte ich deren Beibehaltung Angesichts des zum mindesten sehr schwankenden Gesundheitszustandes des Herrn Dr. Krause für unbedingt wünschenswert, abgesehen davon, dass ohne dieselben die Gefahr, auf die schiefe Ebene eines blühenden Dilettantismus zu kommen, doch nicht ganz ausgeschlossen wäre.

Ein weiterer Umstand ist der, dass ich Herrn Dr. K. von vornherein pekuniär nicht so zu stellen vermag, wie Sie und er wohl das Recht haben mögen, zu beanspruchen. Ich bin demnach nicht ganz sicher, wie lange ich unter solchen Umständen auf Herrn Dr. K. rechnen kann. Es ist mir nämlich nicht möglich, schon heute, wo der Erfolg der Zeitschrift noch nicht zu den absoluten Dingen gehört, eine Existenz gans [!] ausschließlich darauf anzuweisen, resp. Herrn D. Kr. zu veranlassen, seine bisherigen Verbindungen zu lösen. Den Grund dazu habe ich Herrn Dr. K. offen dargelegt. ||

Bei der Gediegenheit, die unsre Zeitschrift nach innen wie nach außen anstrebt, werden wir erst bei 2000 Auflage einen bescheidenen Gewinn erzielen. Ich bin nun gern bereit, außer den Verbreitungs- und Publicationskosten (von mehreren tausend Thalern) auch die Unterhaltungskosten zu tragen, bis die Abonnentenzahl jene Ziffer erreicht. Ebenso gern verzichte ich auf jeden Anspruch an jenen ersten Gewinn zu Gunsten der Redaction, der ich meine Bücher stets offen halte.

Wenn ich sonach auch weit entfernt davon bin, „Opfer“ von Seiten der wissenschaftlichen Leiter des Unternehmens zu beanspruchen, so kann doch in den ersten paar Jahren die Sache möglicherweise so liegen, dass Herr Dr. Kr., dessen Verpflichtungen hauptsächlich in der Beschaffung des Manuskripts für die monatlichen Hefte bestehen werden, durch diese Tätigkeit ebensowenig seine ganze Zeit in Anspruch genommen, als seine gesammten Bedürfnisse andrerseits dadurch gedeckt sieht. Die beiden andren Herren behalten sich nur die Censur über die ihre Spezialfächer behandelnde Manuskripte vor. Es ist selbstverständlich, dass die Arbeiten der Herren Mitarbeiter und andrer hervorragender Namen der Wissenschaft hiervon ausgenommen und stets mit gebührender Achtung und Dank vorweg zur Aufnahme gelangen.

Niemand kann eifriger wünschen als ich, dass jene provisorischen bescheideneren Bedingungen definitiver günstigen Platz machen und den Herren von der Redaction brauche ich nicht erst zu versichern, dass die Zeitschrift niemals einen Schritt vorwärts tun wird, ohne dass auch zugleich der Redaction Gelegenheit geboten wird, sich auch in materieller Hinsicht zu dem Erfolge zu beglückwünschen. ||

Alle diese Erfolge liegen aber in erster Linie in der Hand der Schützer und Förderer unsers Unternehmens, deren Reihe Sie, hochverehrtester Herr, gütigst eröffnen wollten. Wenn ich nun für meine Person, wie auch im Namen der Herren, die sich der Herausgabe der Zeitschrift unterziehen wollten, versprechen kann, dass wir Alle nach besten Kräften für das Gedeihen und Aufblühen des Kosmos wirken wollen, so darf ich wohl die Bitte daran knüpfen, uns recht bald für das erste Heft und in der Folge nachhaltig mit Beiträgen aus Ihrer berühmten Feder zu erfreuen. Eine ähnliche Bitte möchte ich durch Ihre gütige Fürsprache, hochverehrtester Herr, auch bei Herrn Prof. Preyer anbringen.

Nächsten Dienstag gehen die „Einladungen“ des Redactions-Trifoliums an die von Ihnen ausersehenen Mitarbeiter ab. Inzwischen wird die Redaction für den bald darauf zu erfolgenden Prospect für das Publikum und die Fertigstellung des ersten Heftes Sorge tragen. Zum Titel haben wir Ihre „Entwicklungs-“ statt „Descendenz“lehre dankend erwartet. Von Seite Jägers wird außerdem „einheitliche“ Weltanschauung statt „monistische“ WA. vorgeschlagen. Wollten Sie nicht Ihren Ausschlag geben, hochverrehrter Herr? Sollte er auch zu spät für die „Einladung“ eintreffen, so doch gewiss noch zeitig zur Feststellung des Prospects und Hefttitels.

Ich verharre, hochverehrtester Herr, in aller Ehrerbietung

ganzergebenst

Karl Alberts.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-12-1876
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8919
ID
8919