Aigner, Eduard

Eduard Aigner an Ernst Haeckel, München, 9. Mai 1912

München den 9. Mai 1912

Hochverehrter Herr Professor!

Schon war beiliegender Brief verschlossen, da klingelt das Telefon und Horneffer teilt mir mit, dass er mit seinem Rechtsanwalt gesprochen und nun gegen Adam Rambacher wegen öffentlicher Beleidigung Klage stellen will. Auf einem öffentlichen Plakate steht nun gegenwärtig gegen Sie und Leo Erichsen und gegen mich von Rambacher derartig Beleidigendes dass wir eine gemeinsame Klage stellen wollen und ich bitte Sie durch Zeichnung der Ihnen mit gleicher Post zugehenden Vollmacht den Rechtsanwalt Rosenthal zur Klagestellung zu ermächtigen. Erichsen tut das gleiche. Es gilt vor Allem Im Interesse der Sache die Lourdeswunder vor Gericht zur Sprache zu bringen.

Der Wortlaut des Plakates liegt bei.

Helfen Sie uns bitte durch Ihre formelle Zustimmung die in gar keiner Weise Sie persönlich in Anspruch nehmen soll zu einer neuen Schlacht und einem Neuen Sieg.

Nochmals herzlichen Gruss Ihr

Dr. Aigner

[Abschrift des Plakates]

Dr. Eduard aigner

prakt. arzt

münchen, bavariaring 15

telephon 9473.

Plakat Anschlag in München vom 7. ‒ 9. Mai 1912

Am Samstag den 11. Juni Abends 8 a Uhr, wiederum im grossen Saale der Centralsäle Neuturmstr.

II. öffentlicher Diskussionsabend, Thema

Die Wunder von Lourdes und die spiritistischen Phänomene

Hierzu erkläre ich:

1) dem vorurteilsfreien und vereinten Studium der ausserordentlichen Ereignisse in Lourdes, wie sie sich seit mehr als 50 Jahren unausgesetzt zutragen ergibt sich der unumstössliche Beweis für die Gottheit Christi und für die Wahrheit der überkommenen Christlichen Lehre.

2) Das eingehende Studium der spiritistischen Erscheinungen erschliesst uns die Tatsache der Existenz einer uns umgebenden intelligenten (dämonischen) Kraftwelt.

3) Die genaue Prüfung der gegnerischen Angriffe auf Lourdes ergibt bei Zola und seinem Sekundanten Haeckel böswillige Verläumdung und bewussten Betrug. Bei Professor Rouby wissenschaftlichen Blödsinn. Bei Dr. Eduard Aigner hier eine Manie leichtfertigen Urteilens über die Dinge die er nicht kennt. Die Märchen der Münchener Neuesten Nachrichten und der Augsburger Abendzeitung b über Lourdes sind Beweise für die Kritiklosigkeit derer die uns als kritiklos hinstellen wollen.

4) Die sogenannten Forscher und Volksaufklärer in spiritistischen Dingen Leo Erichsen usw. haben entweder nichts im Ernste geprüft oder siie [!] belügen das Volk des Mammons weg.

5) Das Verhalten der Münchener Neuesten Nachrichten zu den von ihnen selbst am hellen Tage festgestellten spiritistischen Tatsachen, die sie erklären können ist boshaft und kindisch, die Erkenntnis im Volke hemmend, c das Geheime und gefährliche im Spiritismus fördernd.

Auch für diesen Abend setze ich einen Preis von 1000 Mark für eine sachliche Widerlegung aus und werden die Diskussionsreden wieder stenographirt zur Unterbreitung an das Professoren Kollegium der Münchener Universität

Eintrittspreis zur Deckung der Unkosten 30 Pfennige für reservirte Sitze 50 Pf.

Adam Rambacher.

a gestr.: 14; b gestr.: sind; c gestr.: und

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-05-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8866
ID
8866