Altmann, Paul

Paul Altmann an Ernst Haeckel, Berlin, 18. April 1919

Berlin-Halensee 18. IV. 1919.

Kurfürstendamm 136.

Hochverehrter Herr Professor Häckel!

Es thut mir unendlich leid, daß mein Brief, wie es scheint durch die chaotische jetzige Eisenbahn- und Postbesorgung, wie ich auch kürzlich mit einem eingeschriebenen Päckchen erlebte, nicht angekommen ist. Derselbe enthielt meine Danksagung für die außerordentliche Sendung u. Antwort von Excellenz auf die Sendung der Photographieen der englischen Gelehrten von denen gewiß noch Einige namhaft gemacht werden können oder von Excellenz bereits gemacht werden konnten. Ferner mein kurzes Bekenntniß bezüglich zu den Naturwissenschaften, deren Anfänge von der Schule aus durch den jüngeren Professor Schödler, Entdecker des Apuskrebses in hiesigen Gewässern. Mein Brief erzählte von meinem 32jährigen Aufenthalt in Rom u. natürlich Reisen bis Sizilien. Ferner, daß ich als archäologischer Führer in Rom nicht gleichgiltig für die ägyptischen Altertümer blieb u. so bei den Studien Bekanntschaft der Uebersetzung des Antineusobelisken durch Prof. Sethe, Ihrem Schwiegersohne, machte u. oft auch in der einst kgl. Bibliothek Vieles in der ägyptischen Zeitung von ihm fand. – Ich hoffe nach Rom später zurückzukehren, wo sich im Keller all mein Hab und Gut in guter Hand befindet. – Da ich bei 4 Kindern damals, arm aber stets eifrig studierend blieb, hörte ich auch von Excellenz Entdeckungen u. Erfahrungen aber konnte mir bei den Preisen im Ausland Nichts anschaffen an Büchern, wie ich wünschte u. so gelangten unter Anderem erst jetzt durch den Krieg u. meine Rückkehr ins Vaterland „Die Welträtsel“ in meine Hände (Ausgabe Globus) u. wäre sehr erfreut über die Seelen der Krystalle zu lesen. Mein Glaube ist der monistische u. werde ich, wenn mir erst mehr gedrucktes Material zur Verfügung seien wird unter meinen Freunden in Rom, Schulprofessoren, weitere Verbreitung anstreben.

Meine wissenschaftliche Frage im verlorenen Brief war folgende. Ich hätte gern gewusst ob die Farben auf den Schmetterlingsflügeln durch Adern vom Hauptkörper aus gespeist u. vom Licht hervorgerufen werden oder ob die Farbenflecke u. Bänder durch Erbschaft lokalisiert auftreten. Rote Flecke bei den Flügeln des Zitronenvogels u. dunkelblaue Bänder beim Schwalbenschwanz u. Segler. Vielleicht beschäftigt sich ein Spezialist in Jena durch Mikroskop damit, denn ich möchte Excellenz nicht mit noch mehr Arbeit belasten. Hoffentlich gelingt es mir bald durch Tausch meiner Bilder ein Mikroskop zu verschaffen, was ich bereits durch Annonce eingeleitet habe. – Die gemachte Frage wird aber inzwischen wol auch Studenten interessieren oder ist das Wort bereits verkündet? –

Herzlichen Dank ebenfalls für letzten Brief für Moleschotts Försterbuch.

Mit ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung

Paul Altmann Kunstmaler ((62 Jahre alt.))

aber gesund u.

rüstig.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
18.04.1919
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8799
ID
8799