Altmann, Paul

Paul Altmann an Ernst Haeckel, Berlin, 13. März 1919

13.3.1919.

Hochgeehrter Herr Professor Haeckel!

Mit Ihrer Danksagung durch eigenhändigen Brief u. den schönen Beilagen haben Sie wirklich eine sehr große Freude gemacht, die ich garnicht verdiente.

Nur durch mein oberflächliches Wissen u. Erkennen machte ich den gesandten Fund, als die Frau des früheren Photographen Prämm oder dessen Tochter in dem Hause wo ich wohne starb, u. zwar im Keller im Kehrichthaufen, wie die Schmutzflecke noch erkennen lassen. Einen Monat oder zwei vorher las ich in der Zeitung von dem neuen Haeckelmuseum u. da ich die gefundenen Bilder wieder auffand hoffte daß es Ihnen hochgeehrter Herr Professor auch möglich seien wird die Dargestellten noch feststellen können d. h. deren Namen leider fehlten. –

Ich bin ein Klassenschüler des jüngeren Professors Schödler (Entdecker der kleinen Apuskrebse) in der hiesigen Dorotheenstädtischen Realschule gewesen u. habe mich immer für die Naturgeschichte interessiert, hatte aber keine Aussicht mich ganz derselben zu widmen. Noch heute fülle ich meine freie Zeit mit botanischen Studien aus natürlich nur als Amateur, momentan Kakteen u. fand bisher kein Buch darüber, welche den Medusenkaktus, den ich in Sizilien mehrmals auf Kalksteinmauern sah, anführte! – In Rom wo ich bis Kriegsausbruch (32 Jahre) lebte that ich allerlei nament-||lich in den letzten 15 Jahren als archäologischer Fremdenführer oft beschäftigt. So ließen mich auch die ägyptischen Altertümer nicht faul sein u. beschäftigte mich so gut es ging mit Hieroglyphen u. so ist mir auch Ihr geschätzter Verwandter Kurt Sethe wol bekannt als Uebersetzer der schweren Letztzeit der Pharaonen. – Natürlich besuchte [ich] auch das Aquarium in Neapel u. oft das Naturkundenmuseum in Berlin. – Hier nun schenkte mir vor einem Jahr ein von Rom her bekannter Bildhauer Ihr Werk „Die Welträthsel“ u. so war ich sehr froh mein Meinungen bestätigt zu finden. Leider hat man im Auslande doch zu wenig Gelegenheit so wichtige Werke zu Gesicht zu bekommen u. es fehlen einem die Mittel Alles noch so interessante anzuschaffen. Ich bin also Monist mit ganzer Seele u. wenn ich nach Rom zurückgehe, wo ich noch alle Sachen habe werde ich bei meinen italienischen Freunden wirken so viel ich kann.

Da ich nun einmal mein Herz ausgeschüttet habe will ich gleich noch eine seit langer Zeit gehegte Frage an Sie, hochgeehrter Herr Professor stellen, da ich keine Gelegenheit habe zu mikroskopieren.

Es wäre mir sehr angenehm zu erfahren, ob die Flecke in Farben auf den Schmetterlingsflügeln durch Aederchen vom Rumpf aus mit Pigment gespeist werden resp. entstehen wie die roten Punkte beim Citronenvogel oder das Dunkelblau beim Seegler-Schwalbenschwanz, oder ob kein Zusammenhang mit dem Rumpf zu er-||kennen ist? –

Eine sonderbare Frage, aber vielleicht nicht uninteressant.

Darauf würde ich dann weiter combinieren, wie der Italiener sagt u. später Weiteres angeben warum ich dies wissen möchte.

Habe leider schon zu viel Ihrer kostbaren Zeit geraubt u. schließe deshalb mit der größten

Hochachtung u. Ergebenheit

nochmals für Gesandtes herzlich dankend.

Paul Altmann.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13.03.1919
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8796
ID
8796