Allmers, Hermann

Hermann Allmers an Ernst Haeckel, Berlin, 13. Februar 1886

Berlin Mittelstr. (NW.) 26 I

13/2 86

Mein lieber Haeckel. - Zuvor Gruß, Dank und Händedruck Euch Allen!

„Halt ein, halt ein mit deinen Ehren

Ich werde sonst davon erdrückt!“ –

läßt Raupach mal zu einem Könige von einem seiner Günstlinge sagen und auch ich riefs gestern unwillkürlich aus und a ich glaube gar es heißt ,,Ich werde sonst davon verrückt“ was b in diesem Falle die bessere Lesart sein würde, denn daß nun schon zwei Meerwunder auf Dein Geheiß des Atlantischen Oceans Tiefen durchschwimmen um meinen Namen c der Nachwelt zu bewahren ist noch keinem Einzigen || meiner 10.576 näheren Freunde und Bekannten d zu Theil geworden. Als ich das Factum schwarz auf weiß gedruckt und e abgebildet f vor mir sah starrte ich lange verdutzt und stumm darauf hin, bisg ich endlich überwältigt und in namenloser Rührung mich im Geiste dankbar an Deine Brust warf. Es war ein ergreifender Augenblick in meinem Leben. Aber noch einmal: Nun halt ein, das dritte Meerungeheuer ertrüg ich nicht. –

Und noch saß ich so vor dem Blatte horch! es pochte an die Thür und – herein trat – wer? – kein Anderer als – Carus Sterne! Wer kennt nicht ihn! Carus Sterne trat ein und warum? Du weißt es ja: in Nord und Süd mit meiner Beihülfe || Deinen Namen und Ruhm der Menschheit zu verkünden. – Wer von allen Lebendigen wäre mir in der Stunde willkommner gewesen, welchem Wunsche wäre ich freudiger nachgekommen. Und so begann ich mit begeisterter Lippe meinem Herzen Luft zu machen und in Poesie und Prosa vom liebsten famosesten und herrlichsten Menschen h und seinem Freundschaftsbunde mit dem sogenannten Marschendichter zu erzählen, zu predigen, zu singen und zu preisen, von der „Meerfahrt in der Zaubernacht“ an bis zum Abschied im Hafen von Messina – daß Carus Sterne dem natürlichi so Etwas noch nie im Leben vorgekommen geradezu j vor Bewunderung erstarrte. Und noch hatte er sich nicht k von seinem Staunen ganz erholt; klopfte es abermals und – || wie wunderbar fügt es doch oft die ewige Vorsehung!!!!! – herein trat, l um als der richtigste Zeuge die Wahrheit meiner Worte Dir bestätigen zu können: Julius Häckel Dein kleiner prächtiger Neffe mit dem ich zuweilen das Museum besuche. An den verweise ich Dich fürs Weitere. Carus Sterne aber möchte meinen Sang von der Meerfahrt in der Zaubernacht durchaus seis ganz oder theilweise für seinen Aufsatz benutzen, wozu natürlich nochm Deine Erlaubniß nöthig ist, denn die meine hat er. –

Wie schön n wenn Du nicht vor Mitte April hier kommen würdest, ich könnte o dann auf meiner Heimreise Dich dort haben wop ich ungleich Mehr von Dir hätte. Hier denke ich bis gegen das Ende des März zu bleiben, dann auf 3–4 Tage meine lieben Menschen in Dresden zu begrüßen, dann zu Dir und von dort gemächlich Einem nach dem Andern meiner Thüringer Freunde (in Weimar, Gotha usw) zugleich mit dem Lenz meinen Einzug in die alte Marschenheimat zu halten – falls ich in meiner vollendeten Freiheit nicht noch einem andern guten Plan nachgehen werde. – ||

Und nochmals Dank und Händedruck und Gruß Euch Allen von Deinem

treuen

H. Allmers.q

a gestr.: verlasse; b gestr.: jedenfalls; c gestr.: z; d gestr.: wie; e gestr.: ge; f gestr.: gla; g gestr.: diese Freude; eingef.: bis; h gestr.: zu erzählen; i gestr.: am; eingef.: natürlich; j gestr.: erstarrte; k gestr.: ge; l gestr.: nur; m eingef.: noch; n gestr.: daß; o gestr.: Dich; p gestr.: was; eingef.: wo; q Text weiter auf S. 1: Und nochmals … treuen H. Allmers.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-02-1886
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8691
ID
8691