Allmers, Hermann

Hermann Allmers an Ernst Haeckel, Rechtenfleth, 27. Juni 1883

Rechtenfleth

26. Juli 83.

Herzlieber Haeckel

Von Woche zu Woche u von Tag zu Tage habe ich gehofft Dir über meine Reise etwas Bestimmtes, Positives schreiben zu können aber das Hinderniß zog sich zu meinem großen Unmuth und über alle Erwartung in die Länge a bis ich jetzt, wo es die äußerste Zeit wäre Deiner herzerfreuenden Einladung nach zu kommen – Dir zwar endlich Bestimmtes aber leider nur - Negatives schreiben kann. Meine lang projectirte schwäbisch bairische Sommerreise diesmal vorzugsweise lieben Menschen geweiht die verlangend und || wiederholt aus Stuttgart und München nach mir riefen schon ehe auch Du Dich in den Chor gemischt hattest dachte ich dann sicher über Jena zu machen, so sehr mirs aus dem Wege liegt, auch nach den 3 alten malerischen und baulich hochintressanten und mir noch unbekannten Städten Gelnhausen, Rothenburg o. d. Tauber und Blaubeuren zogs mich schon den ganzen Winter hindurch mit einer Sehnsucht deren Macht Du natürlich nicht begreifen kannst aber es kann sehr leicht sein, daß ich, so weh mirs thut, die ganze Reise aufgeben muß. Ich bin nämlich mitten in allerlei Unterhandlungen begriffen etwa ein Drittel meiner Gutsländereien zu Gelde zu machen, theils weil ich dadurch meine Einnahme um 2½ Procent jährlich erhöhe || theils aber auch weil ich nur so darüber testamentarisch verfügen kann, was mir nach unserm osterstader Landrecht über solch uralt angestammten Grundbesitzb, c durchaus nicht zustehtd. Vertauschen, verschenken (bei Lebzeiten) und verkaufen darf ich ihn allerdings, geschieht von diesen dreien aber Nichts so habe ich mich willenlos dem Erbgesetze zu fügen, nach dem die Hälfte meines Nachlasses leider einer mir sehr verhaßten Familie zufallen wird. Meine liebsten und besten Menschen aber würden Nichts bekommen eben so auch nicht die Verwandten meiner lieben seligen Mutter, da mein Gut ja nur von Vaters Seite stammt. Du glaubst nicht wie fatal und peinlich mir dieser Umstand ist. – So wie || aber die Sache im Reinen ist aber fliege ich auf Flügeln des Dampfs und der Sehnsucht den Bergen zu und dann im nächsten Jahr hoffentlich wieder ins hochgelobte Land Italia, doch nicht, (hier meine Hand drauf) ohne zuvor mindestens ein paar Tage in der herrlichen Villa Quallenheim e verlebt zu haben. Zuvor schreib mir ja einmal welchen Bilderschmuck Du darin haben möchtest. f Wie gern hülf ich Dir dabei ausdenken und anordnen. Sieh aber ehe Du daran gehst ja Gerhard Rohlfs Bibliothekzimmer in seiner Villa zu Weimar in welcher über den Bücherschränken rings ein Fries g an einander gereihter afrikanischer Landschaften hinzieht. In Deinem müßten so die schönsten Gegenden und namentlich echte Characterbilder von Mittelmeerküsten, Norwegen Tenerifa und Lanzarote, Aegypten und Ceylon vertreten sein. Doch später einmal Näheres und Weiteres darüber. –

Und so lieber Junge lebe wohl zürne mir nicht daß ich Deinen freundlichen Wunsch diesmal nicht erfüllen kann sondern finde Dich drein wie ichs muß so schwer mirs wird. Vor Allem aber habe auf Deiner Alpenfahrt wieder herrliche reich erfüllte Tage und grüße die lieben Deinen herzlich von – Deinem treuen

H. Allmers

a gestr.: des; b eingef.: Grund; c gestr.: nicht der; d gestr.: aus der Familien; eingef.: zusteht; e gestr.: od; f gestr.: ich; g gestr.: ein

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-07-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8685
ID
8685