Rechtenfleth.
5. März 82.
Mein theurer Häckel.
Du ahnst nicht im Entferntesten welche hohe, unaussprechliche Freude Du mir bereitet hast, daß Du selbst von der Wunderwelt Indiens umblüht, umstrahlt ud umduftet noch meiner gedachtest, des fernen einsamen Freundes aus den stillen Marschen des Weserstrandes, Du Lieber, Du Wackrer, Du Vielgetreuer ud vor Allem Du Riesiger und Famoser. – Noch war ich mitten im Schwelgen worin mich die schöne anschauliche u lebensvolle Schilderung Deiner Bombay-Tage versetzt hatte || (Sicherlich hattest Du in liebenswürdiger Weise vor Deiner Abreise die Zusendung der Blätter an mich verfügt) da überraschten mich Deine Karten und nun schwelgte ich erst recht in Deiner rührenden Treue, abera fühlte zugleich doppelt peinlich wie Wenig ich Dir für all das herrliche u herzerfreuende womitb Du mich c in Einem fort überschüttest – wieder vergelten kann, denn wir arm bin ich gegen Dich – wie wenig d ist der Inhalt meines Geistes gegen die Fülle des Deinen, wie dunkel mein Name gegen dene weltumstrahlenden Ruhm des Deinen. – Ist doch der Abstand zwischen Dir u mire eben so groß ud weit als er es sein mußf zwischen den überreichen Berichten aus Deinen farbenvolleng sonnenumstrahlten indischen Tagen und den eintönigen || und einförmigen meines nebelumwogten winterlichen Stilllebens. Nur an treuer Liebe soll Dein Herz das meine nicht übertreffen.
Diesen Brief solltest Du schon in Indien haben, gleich nach Empfang Deiner lieben Karte drängte michs mächtig Dir h meine hohe Freude darüber kund zu geben. Da aber traten allerlei Hinderniße dazwischen, namentlichi ein mehr als achttägiger Ausflug nach Bremen u Anderes, bis ich in der Zeitung die Notiz las, Du seist bereits auf der Heimkehr. So ließ ichs denn bis heute. Aber jetzt soll j wenigstens doch mein Brief in Jena mit meinem jubelnden Willkommensgruß und Glückwunsch Dichk empfangen. Wie gern thät ich’s selber und harrte Dein mitl weit offenen Armen vor der Thür Deines Hauses. – ||
Erzählen könnte ich Dir freilich Wenig von mir und meinem unbedeutenden Erlebnißen und thät ichs – wie dürft ich verlangen daß Dum jetzt Lust hättest das zu vernehmen. Mußt Du doch schier zum Bersten voll sein. So will ich lieber damit warten bis der hochaufgestaute Sturm Deiner Seele sich wieder beruhigt n und die Cataracten weniger mehr donnern ud brausen. Für mich wieder noch immer genug übrig bleiben. –
Ich habe vor, den Frühling am Neckar ud in Tyrol zu verleben, wohin mich liebe Menschen dringend geladen. Auf der Rückreise, also wohl um die Mitte des Juni, möchte ich auf ein paar Tage dann Deine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen ud freue mich jetzt schon auf die herrlichen Stunden an Deiner Seite, Du Reichbegnadeter.
Nicht will ich daran fürchten, daß die Pracht der Tropen Deine Freude an des lieben Vaterlands Bergen u Wäldern allzusehr herabgestimmt hat. Auch ihnen wirst Du treu geblieben sein, wie Du es Deinen Freunden bliebest. – Durch Deine Schilderungen hast Du auch meinen lieben Romberg eine große Freude bereitet ud seine Erinnerungen an Indien wieder leuchtend aufleben lassen. Nimm seinen dankerfüllten Gruß. Und innigsten Gruß Deiner treuen Penelope und wiederholter Herzensdank von Deinem
Hermann Allmers.
a gestr.: und, eingef.: aber; b gestr.: was, eingef.: womit; c gestr.: schon; d gestr.: ist; e gestr.: Deinen, eingef.: den; e gestr.: Dir, eingef.: mir; f gestr.: ist, eingef.: sein muß; g gestr.: indischen Tagen un, eingef.: farbenvollen; h gestr.: zu; i gestr.: namentlich; j gestr.: xxx; k eingef.: Dich; l gestr.: vor, eingef.: mit; m eingef.: Du; n gestr.: ud