Hermann Allmers an Ernst Haeckel, Rechtenfleth, 29. Juli 1870

Rfelth. 29 Juli 70.

Herzlieber Häckel.

Verlange keinen langen Brief. Wer hätte Stimmung u Ruhe zu gemüthlichem Schreiben in diesen tief u mächtig bewegten Tagen, a Tagen wie sie unser Vaterland b noch nicht erlebt hat, so lange seine Berge stehen. Welch eine Zeit! Wie groß, wie erhebend wie reinigend, wie einigend. – Es muß ja gelingen, c es wäre ja ein Jammer wenn solche herrliche Erhebung nicht auch herrlichen u glanzvollen Ausgang nehmen sollte. Und dann wird ein goldenes Zeitalter d für unser theures Vaterland kommen. –

Daß ich jetzt nicht ans Reisen denken mag wirst Du natürlich finden. ||

Dank aber für Deine freundliche Einladung dazu u besten Glückwunsch zu der Deinen.

Erst ist hier in meiner Heimat meine Aufgabe u später denke ich als Johanniter, Hospitaliter oder wie es heißt zum Heere [zu] gehen u dort der großen e u heiligen Sache meine Kräfte zu widmen.

Dank auch für Deine intressante Sendung. (Den Daumer (!) erhältst Du nächstens zurück.

So leb denn wohl mein Junge, grüße mir Weib u Kind* u behalte lieb

Deinen treuen

H. Allmers

* Denke Dir erst jüngst entdeckte ich die separat eingewickelte Photographie || desselben (auf dem Schooße der Mutter) die ich beim Öffnen des Pakets gänzlich übersehen hatte.

Welch ein prächtiger Junge! wie lieb u treu die schönen großen Augen. Grad so mußt auch Du einst ausgesehen haben ud hast mir eine rechte Freude damit gemacht. –

a gestr.: diesen; b gestr.: nicht g; c gestr.: das; d gestr.: kommen; e gestr.: Sac

Brief Metadaten

ID
8649
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Preußen
Datierung
29.07.1870
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
3
Umfang Blätter
2
Format
13,9 x 21,6 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 8649
Zitiervorlage
Allmers, Hermann an Haeckel, Ernst; Rechtenfleth (Weser); 29.07.1870; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_8649