Hermann Allmers an Ernst Haeckel, Rechtenfleth, 20. Oktober 1865

Rechtenfleth d. 20 Octbr 65

Mein theurer Häckel.

Wie ich versprochen sende ich hier das Buch von Muhle über Hude und bitte Dich es dem jungen Kanoldt mit bestem Gruße von mir u der Erinnerung es nach dem Gebrauche wieder zurück zu schicken, zukommen zu lassen. Will er in seiner Arbeit a über die Ruine vielleicht mein Gedicht einflechten so soll mir das lieb sein, da b jene Dichtung, wie ich glaube, die Stimmung des schönen Platzes lebendig wiedergiebt. –

Du aber mußt nothwendig bald wieder kommen. Wie wird die schöne Ruine Dir erst ohne Leibschmerzen ud Diarrhoe gefallen, da sie’s jetzt schon that. –

Ich kann Dir gar nicht sagen, mein Junge wie leid es mir that, daß Dein so lang ersehnter Besuch durch Dein Unwohlsein so verdorben wurde, welche || Stunden hätten wir haben können. Und denke Dir, Sonntag Nachmittag den 15t. war ich in Geschäften in Burgdamm Montag c Vormittag den 16t. Octbr. in Bremen, Du bist erst um 10 Uhr von dort weggereist u wie ich von Strube hörte seid ihr Sonntags d zu Fuß nach Burgdamm u Schönebeck gewandert, so sind wir also ohne es zu wissen zweimal nahe bei einander gewesen. Wie gerne hätte ich Dich noch einmal wider gesehen. Das ist Schicksalstücke. Mich freut aber doch in der Seele, daß Dir mein liebes altes e Bremen so gefallen hat u Du Dich in seinen Mauern so wohl gefühlt. – Strube hat mir noch Manches von Dir erzählt. Also komme bald wieder, Du bist Manchem hier lieb u theuer u mußt es ja gefühlt haben wie warm u herzlich man Dich || f überall empfangen hat .

Vor allem soll ich Dir aus tiefstem Herzen Gruß u Händedruck von meinem Romberg senden, von ihm u seinem lieben Weibe, einen andern Gruß sendet meine kleine g schwesterliche Cousine Dir.

Neues aber weiß ich gar Nichts für Dich. Die Zeichnung des Waldsumpfs sollst Du zu Weihnachten haben.

So leb wohl mein theurer Junge grüße mir dort Alles was mich kennt ud behalt mich lieb.

Dein treuer Hermann

NN.Siehst Du Gädechens so frage ihn ja g obs eine Photographie vom Aesop giebt. –

a gestr.: mein; b gestr.: meine; c gestr.: Morgen; d gestr.: noch; e gestr.: Bremen; f gestr.: fast; g gestr.: Cousine; g gestr.: nach oh;

Brief Metadaten

ID
8632
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Hannover
Datierung
20.10.1865
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
3
Umfang Blätter
2
Format
14,0 x 22,5 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 8632
Zitiervorlage
Allmers, Hermann an Haeckel, Ernst; Rechtenfleth (Weser); 20.10.1865; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_8632