HERMANN ALLMERS
Rechtenfleth d. 27t Juli 1860
Mein lieber, herzlieber Wandergenoß.
Ehe ich Dich kennen lernte erfreute ich mich des stolzen Bewußtseins unter meinen sämmtlichen Freunden u lieben Bekannten im Briefschreiben der Allergewissenhafteste ud Allerfleißigste zu sein. Wie sehr hast Du meinen Stolz gedemüthigt, wie tief hast Du mich beschämt alter lieber Junge. Als Dein prächtiger, herzerquickender langer Brief eintraf wußte ich wirklich nicht, welches Gefühl in mir größer sei, das der Beschämung oder das der Freude.
Eins indeß laß Dir gesagt sein, – daß Du mir nur nicht an meiner unveränderten Freundschaft zweifelst und wenn auch die Pause in unsrer Correspondenz einmal doppelt so lang würde wie die letzte. Auch wenn Du nicht geschrieben hättest, würdest Du, wenn nicht in dieser, doch sicher in der nächsten Woche einen Brief von mir erhalten haben, ja und wenn nicht noch ein andrer Umstand da wäre, davon ich Dir nachher erzähle, so hätte ich schon gleich nach Ankunft der Kisten von mir hören laßen. Doch nun ist Alles gut u vielen vielen Dank für Deinen herrlichen Brief.
Gleich nach Pfingsten kamen auch a zu meiner großen Freude die Kisten an, die ich längst ein Opfer der sicilischen Erhebung glaubte. Fast Alles darin war heil u in bester Ordnung mit Ausnahme der einen, welche die Spirituosen u zugleich die Bücher enthielt. Das Glas mit den Crustaceen usw. war nämlich in hundert Stücken, die Thiere hatten sich in der ganzen Kiste verbreitet ud eine höchst pikant duftende intressante || Krebssauçe, die noch dazu durch den b edlen Inhalt einer Flasche Benedettino an Feinheit gewonnen hatte c übergoß u durchdrang Alles, was die Kiste enthielt. Der Duft aber war wirklich so intressant, daß er die Gewissenhaftigkeit des visitirenden Zollbeamten auf die allerschwerste Probe stellte. Ich aber sprach dem d biederen Mann Muth ein, und mahnte ihn seine Spürnase nicht abzuwenden, das sei nur ein wenig Duft des Südens, in Italien selber röche es mitunter noch ganz anders und wer für solch‘ hesperische Lüfte kein Verständniß habe verdiene auch nicht den schönen Süden zu schauen. e Also sprach ich zu dem Biedern worauf er in sich ging u schweigend oder höchstens mit leisen Seufzern f in die duftige Tiefe der Kiste weiter drangg. Aber während so vielleicht die seltsamsten Gedanken über den duftigen Süden die officielle Seele des Pflichterfüllten durchzogen u bewegten, schwelgte die meine in tausend seligen Erinnerungen reicher vergangener Tage deren Denkmale Eins nach dem Andern aus ihrer Umhüllungh hervortraten ud ichi jubelte laut auf bei jeder neuen Überraschung, die mir Deine Liebe bereitet hatte. Prächtig sind die beiden Ochsenhörner, schönj als ob sie von den Sonnenrindern des Helios stammten. Die sollen eine symbolische Zierde meines Kücheneingangs werden. Vom edlen Benedettino hat meine Zunge noch kein Tropfen benetzt. k Ich will eher nicht davon trinken bis ich irgend Jemandl habe, der auch m die Schönheit Trinakrias geschaut hat, u dann gilt mein erstes Glas Dir, das Zweite Siciliens Freiheit und Garibaldi –. Vor Allem aber hat mich die Pause nach dem herrlichen pompejanischen Bilde (Erziehung des Telephos) erfreutn und miro aufs Lebendigste den Eindruck des p Originals wieder vor die Seele geführt. Wie in aller Welt bist Du zu dieser wundervollen Zeichnung gekommen! || Nicht leicht hättest Du für mich etwas Erwünschteres in die Kiste packen können. Von den Naturalien habe ich auch Einiges behalten, Andres einem hiesigen hochgeschätzten Manne geschenkt, der eine schöne Crustaceensammlung besitzt. Nochmals vielen vielen Dank für Alles u Jedes.
Also Du hast Dich wieder einmal recht von Herzen in Deinem vielgeliebten Thüringer Walde deutscher Natur erfreut. Ich habe es Dir vollkommen nachempfunden, wie ich es ebenfalls mit Dir fühle wenn q Deine Seele sich abwendet vom eintönigen kalten u schmutzigen Grau Deiner Marklandschaften und wieder hinüber eilt in die Licht- und Farbenpoesie unseres sonnig blauen Golfes. Auch ich bin, Gott sei Dank, eine so glücklich angelegte Natur, daß ich das was einmal schön ist in seiner Weise zu würdigen weiß, Jedes nehme wie es ist, ungern vergleiche und noch weniger den Werth des einen durch den des Andren r herabsetze, sondern an dem mich mit ganzer Seele freue s dessen Genuß mir grade geboten wird; sei es im Norden oder Süden, sei es Natur, Kunst oder Menschenleben, sei es antik u classisch oder mittelalterlich u romantisch. Ich sage Dir t das ist ud bleibt einmal die einzig richtige Lebensphilosophie bei der man sich immer am besten steht.
Du kannst mir glauben, daß auch ich u oft ud oft im Geiste zu den schönen sonnigen Tagen eile, die wir nun vor einem Jahre durchlebten, durchschwelgten, durchwanderten, durchschwitzten und der ganze Süden mit all unserm Leben u Treiben darin steigt dann wieder in Hundert leuchtenden Bildern vor meiner Seele auf. Die köstlichen Morgenbäder, das gemütliche Frühstück auf unsern schön gelegenen Zimmern mit dem keuschen Laun u dem freisinnigen Baron, dann die kunstgeweihten Stunden in den stillen kühlen Räumen des Museums || dann maccaroni con pomi d'oro e poi v una frittura d'alice con insalata e dopo un arrosto di vitello und später dann die Wandrung dem Posilipp entlang oder eine Meeresfahrt, w wenn Flut u Ufer u Gebirg in den Purpurtönen der Abendsonnenglut standen; ja lieber theurer Junge wohl waren das hochherrliche Stunden u wenn man dran denkt kann einem x dabei wunderbar selig u wehmütig ums Herz werden, vor Allem erst bei der Erinnrung an die Tage im grabesstilleny heißen Pompeji, an die Wandrung durchs Gebirg nach dem phantastischen Amalfi u Ravello; an unser Tropenleben auf Ischia ud endlich an – „die seligen Tage von Capri“. Da sehe ich eben in meinem Tagebuche nach u finde daß grade heute jener reiche Tagz war, wo wir von Amalfi aa aus hinaufkletterten zu denbb alten Normannennestern Ravello, Scala u Pontone u das rauschende prächtige Mühlthal durchwanderten und, wie die Worte meines Tagebuchs lauten: „eine solche Fülle von wilder phantastischer u malerischer Gebirgsschönheit uns umgab, eine Landschaftcc von Felsen, Brücken, Grotten Wasserfällen, Ruinen, alten Normannenkirchen, Saracenenbauten, prächtigen Baumgruppen u Pflanzenbildern usw. daß es Viel zu Viel für einen Tag war ud wir einen Monat ud länger hätten davon schwelgen können“. – Doch genug des Sehnens u Zurückversenkens ud lieber von der Gegenwart geredet.
Viel Glück zum großen Radiolarienprachtwerk und Dir möge Reimer kein Scheube sein. Ich bin wirklich gespannt darauf im nächsten Jahre das Opus dort mit eignen Augen zu schauen. Aber das sage ich Dir enthalte ihm nicht den schönsten Schmuck – nämlich Dein Portrait als Titelbild. Indeß mein ich damit nicht blos Dein dd Deinen Kopf oder der Obertheil Deines Körpers – das wär ziemlich langweilig u zu oft schon dagewesen; nein in ganzer voller Figur muß Dich || die Welt kennen ud schätzen lernen ud ganz so wie Duee leibtest u lebtest, da Du den Grund zu diesem Werke legtest. Jüngst sah ich eine Ausgabe der Kaneschen Reise u davor als Titelbild „Kane im Polarcostüm den so u so vielsten Grad nördlicher Breite messend“ wie wärs nun wenn, ff jenem analog, vor Deinem Werke gg der in Kupfer gestochene: Dr Haeckel im Capricostüm, im Begriff stehend eine große Entdeckung machen zu wollen, oder auch einem Seestern die Augen zu öffnen, ich wollte sagen, der Welt die Augen über die der Seesterne zu öffnen. Ja und wenn das Titelbild noch anziehender u reicher sein soll, so muß hh H. A. der Begleiter des kühnen Reisenden als Staffage im Hintergrunde ii ud Begriffe stehen eine schnodrige Bemerkung jj darüber zu machen, noch weiter nach hinten ein Paar verrückter Felsengestalten, noch weiter das Meer ud dann noch weiterkk Jarnischt. – Ich sage Dir, befolgst Du meinen Rath, so wird dies eine Bild ll mehr Intresse bei den Völkern des Erdball erregen als sämmtliche 20 übrigen Kupfertafeln.
Vor Allem freue ich mich aber auf Deine Reisescizzen in der geographischen Zeitschrift. Sende sie doch ja sobald sie erscheinen. Daß Du natürlich auch Alles erhältst, was ich derartiges noch zu Tage fördern sollte versteht sich von selber. Bis jetzt habe ich indess noch sehr Wenig für die Öffentlichkeit über den Süden geschrieben, so sehr er auch noch immer mein ganzes Herz erfüllt. Die einzige hier mm || nachgereifte literarische Südfrucht ist die Schilderung Ninfas. – Obwohl Du sie gelesen schicke ich sie Dir unter Kreuzband doch mit, weil Du nn Alles, was ich über Italien schreiben werde vollständig haben sollst. An die „Römischen Schlendereien“ denke ich täglich oo aber ich komme jetzt nicht dazu; mir fehlt die Ruhe u Sammlung. Sie sind bis zum 4 Capitel gediehen und werden wohl schwerlich vor dem Spätherbst oder dem Winter weiter geschrieben. Gegenwärtig aber pp befindet sich ein Bändchen verschiedener ausgewählter qq Dichtungen von mir unter der Presse, weniger für den Buchhandel als rr zu Geschenken für liebe Menschen bestimmt, wie auch die Worte der Widmung sagen. Von Tage zu Tage hoffte ich die Beendigung des Drucks u das eben ist der zu Anfang des Briefes erwähnte Umstand, warum ich Dir so spät antworte. Meine Antwort, dachte ich, sollte vonss jenem Büchlein begleitet sein. Doch jüngst schrieb mir mein Verleger, daß erst gegen Ende August Alles fertig sei u so tt beschloß ich denn, auch wenn Dein Schreiben nicht gekommen wäre in den ersten Tagen von mir hören zu lassen.
Nichts nimmt aber uu in dieser Zeit all mein Sinnen ud Trachten so in Anspruch, als mein Bau von dem ich Dir ja wohl schon kurz berichtete. Er beschäftigt mich Tag u Nacht u tiefer als Du denkst, hängt er doch aufs Innigste mit den Plänen meines ganzen ferneren Heimatslebens zusammen. Er besteht vornehmlich darin, daß ich noch ein Stockwerk auf das Erdgeschoß meines Hinterhauses setze, wodurch ich verschiedene treffliche Räume erhalte. ||
Ich bekomme ein reizendes Erkerzimmer mit anstoßender Kammer, das besuchende Freunde bewohnen sollen; dann ein größeres Zimmer für Bilder und andre Kunstwerke, vv welches die Aussicht auf den ww breiten Strom hat; dann ein Atelier mit Hochlicht; dann xx eine Badekammer und endlich noch unten im Hause wird ein großer Vorraum ganz zu einer alterthümlichen Halle yy mit wappengeschmückten Bleifenstern, schnitzwerkgeziertem Kamin und Treppenaufgang, einem pokalbesetzten schweren eichenen Schenktisch, hochlehnigen ud ledergepolsterten Stühlen usw. ausgebildet.
Der schönste und interessanteste Schmuck des Baus aber soll ein zz grau in grau gemalter historischer Wandfries im Bilderzimmer aaa werden, darstellend die Entwicklung unsres Menschenbbb vom armseligen Fischerleben seiner ersten Wurtbewohner durch alle Kämpfe und Stürme bis auf die Gegenwart ccc mit dem Schlußbilde der Einfügung der Künste und Wissenschaften in die reicher gesegnetern Menschen. Für die Idee, die ich schon lanbge liebend im Herzen mit mir umher trage, habe ich bereits ddd ein paar talentbegabte mir befreundete junge Künstler begeistert und der Eine davon kann kaum erwarten bis die Wand dazu gehörig ausgetrocknet ist, obwohl sie bis jetzt noch nicht einmal existirt. Ich hoffe indessen, daß Ende August Alles im Rohen fertig sein wird. Die eigentliche eee || Vollendung indeß wird natürlich erst in der Mitte des nächsten Jahrs Statt haben. – Ich hoffe fff manches liebe treue Herz, und auch das Deine, soll sich noch ggg wohl fühlen in den neuen Räumen, denn offen gestanden, wenn ich nicht so viele liebe nette Kerle hätte, die ich noch Alle einmal gastlich unter meinem Dache zu haben denke (versteht sich Einer nach dem Andern) ich würde nur um meinetwillen wahrlich nicht ein einzig Zimmer mehr gebaut haben. Doch Du sollst kommen, sehen u Dich mit mir freuen, wie nett, einfach edel ud gediegen Alles werden soll. –
Junge Junge, das soll dann eine schöne Zeit werden. Wie wollen wir dann schwelgen in tausend Erinnerungen ud meine Sachen u Zeichnungen u Bilder hhh betrachten ud wandern u streifen u botanisiren u aquarelliren sollst Du wieder mit mir tagein tagaus wie einst. Alle Felsen, die unsre Gegend besitzt sollst Du abmalen sollst Du wieder mit mir tagein tagaus wie einst. Alle Felsen, die unsere Gegend besitzt sollst Du abmalen von hinten,iii von vorne u von der Seite; bis übers Knie sollst Du in unsern Mooren herumstiefeln ud noch ein paar Schuh tiefer jjj im Uferschlamm unserer Weser um nach Conserven zu suchen u sollst einen Pflanzenpacken von 150 ℔ Gewicht dabei tragen ud sollst hungern 36 Stunden lang bis Du vor lauter innerem WonnekkkGefühl lll stolzer Befriedigung u Beherrschung Dich nicht mehr auf den Beinen halten kannst; genug Alles sollst Du mmm genießen von dem ich weiß, daß es Dir Freude macht. Auch sollst Du Mittags Maccaroni con pomi doro haben aus echt italienischem Samen gezogen d. h. die Letzteren. Sie stehen jetzt frisch u üppig über u über blühend. Auch meine anderen nnn mitgebrachten Sämereien sind fast alle aufgekommen. Die Pflänzchen schauen gar lustig u halb wie verwundert || den fremden Himmel an und machen mir viele Freude. Distelarten u Phlomis tuberosa von Epipolae Mesembrianthemum acinaciforme aus Pompeji, Spartium junceum vom Etna; Cistusarten, die Bonjeanea, die Passerina, die Nicotiana glauca von Ischia u Capri, Asphodelos racemosa u Acanthus europ. aus Roms Campagna ud noch manche andre Kinder ooo hesperischer Gefilde fühlen sich in Rechtenfleth schon wie zu Hause. Nur die Kerne der Palmen, die ich dicht beim Junotempel in Girgenti sammelte liegen noch ohne Keim in der Erde, indeß die werden sich auch schon entschließen einmal herauszugucken, es ist wirklich zu nett bei mir. –
Hast Du schon wieder an die Rohrart des Anapus gedacht und untersucht ob sie neu ist? Ich behaupte noch immer steif u fest, es ist nicht Phragmites communis. Dazu bin ich in Rohr u Schilf aufgewachsen um mich darin nicht mehrppp zu täuschen. Bitte laß die Frage ja nicht in Vergessenheit kommen. Theile Braun doch ein Exemplar davon qqq zur Untersuchung mit. –
Im nächsten Jahre müssen wir einander besuchen seis hier oder dort oder beiderwärts. In diesem Jahre kann ich nicht kommen, doch hätte ich große Lust im Herbst übers Jahr (1861) dort die allgemeine große deutsche Kunstausstellung zu sehen. Vorher aber, etwa in den Ferien, muß ich Dich hier haben. Wir können das indeß ja noch besprechen. Vor allen
Dingen muß mein Bau ganz vollendet sein; dann mag kommen wer will. Haus u Herz sind dann Allen lieben Kerlen geöffnet.
Diesen Winter will ich auch wieder malen u zeichnen in meinem neuen Atelier, daß es eine Lust sein soll ud auch rrr die versprochnen Capriblätter sollst Du dann haben u – noch etwas ganz andres, das Dich sicherlich sehr überraschen wird. –
Wenn ich die „Römischen Schlendereien“ hinter mir habe sss denke ich auch einige andre Bilder des Südens ttt niederzuschreiben, ich weiß selbst noch nicht welche, doch sicherlich die Schilderung uuu unsres Lebens auf Ischia u Capri, dem Golf v.Bajä, Amalfi || dann aus Sicilien einige Reisescizzen wie Palermo, Girgenti, Syrakus u der Etna. Nun habe ich einen Plan damit. Nämlich diese und andere, theils schon veröffentlichte, theils noch gar nicht angefangene vvv Schilderungen aus meinem früheren Wanderjahren z.B. der Aufenthalt im höchsten bewohnten Thale Europas (Aversthal in Graubünden) mein Leben www in xxx verschiedenen Bauerndörfern Tyrols des Schwarzwalds yyy Schwabens u am Rhein wo ich so recht ins Leben u Gemüth des Volks eindrang u herrliche Geschichten erlebte und erfuhr; ein Osterfest in einem armen Dorfe Eurer Mark (Gröben) als Gast der edlen Gräfin Schlabrendorf war zzz; ein schweizerisches Jugendfest in Zürch (an welchem 5000 bewaffnete Knaben kriegerische Übungen anstellten) dann aaaa ein paar Decemberwochen in Litthauen ud endlich ein paar bbbb sonnige Bilder aus meiner glückseligen Jugendzeit; – dies Alles wollte ich in ein Büchlein zusammenpacken ud als Titel drauf schreiben „Heimatsleben und Wanderschaft“. In den Blättern aber wird dann wohl Menschen-Lust u Leid, Menschen-Thun u Treiben in erster ud cccc Berge u Wälder, Gesteine u Blumen erst in zweiter Reihe stehen, obwohl ich oft ud gern mit Liebe dabei verweilen werde. Zu diesem Buche, das so recht ein Stück Herz u Leben von mir werden sollte, freue ich mich jetzt schon. Der Himmel gebe, daß ich dazu komme.
Nun ud was sagst Du zu den Ereignissen in Sicilien ud Neapel? – Wer hätts gedacht daß Garibaldi so schnell die Insel befreite. –
Eviva l unione!
Eviva tutta Italia!
Abasso il Borbone!
Eviva la liberta!
Weißt Dus noch? Denkst Du noch an den feurigen jungen schwarzköpfigen Sänger und seinen Kuß u warmen Händedruck? ||
Nur dddd an einsamer Meeresküste durfte damals das Lied erschallen; jetzt wird es laut jubelnd die ganze Insel durchtönen ud bald ist es sicherlich zur Wahrheit geworden, der Sturz des elenden Bourbongeschmeißes u die Einheit u Freiheit eeee des ganzen herrlichen Landes. – Sicherlich werden wir in Bälde große u. intressante Dinge schauen, denn Garibaldi trifft alle Anstalten Neapel sowohl als auch dem Kirchenstaat das Garaus zu machen ud sein Erfolg kann um so weniger zweifelhaft sein, als weder England noch Frankreich sich hineinmischen werden, d.h. vor der Hand. ffff Gott gebe ihm einen herrlichen glorreichen Sieg! – Wie wird das zurückwirken auf Deutschland. Mein Herz ist voll Hoffnung und Zuversicht. Nach so langer Zeit der Erschlaffung, Mutlosigkeit und Gleichgültigkeit wehet doch einmal wieder ein schöner frischer Hauch durch die deutschen Herzen. Du bist in Coburg gewesen und hast doch auch das frische kräftige u hoffnungsfreudige Wehen gefühlt. Ich freue mich daß Du dortgggg warst. Es müssen schöne erhebende Tage gewesen sein, wie ich sie liebe. Die Weserzeitung, ein vortreffliches Blatt, hat eine warm u begeistert geschriebene Schilderung des Festes gebracht. So viel ist gewiß, ein Volk wie das deutsche so wacker u treu, so kernig u fest hat auch freiere Zukunft. Aber Stürme wirds erst geben ehe der Frühling kommt. – Es ist gut hhhh, daß Du bei Deinem wackern frischen u freisinnigen Bruder bist; nicht der Förderung Deines Radiolarienwerkes halber,iiii meine ich, sondern vor Allem Deinetwegen. Er wird Dich mit seinem männlichen Wesen aufrütteln u kräftigend auf Dich wirken. Auch ist Jena, das alte liebe gemütliche Jena, der rechte Ort für Dich und ich freue mich jetzt schon drauf dort den jungen Professor jjjj besuchen u mit ihm kneipen zu können. Aber ach Gott! Du trinkst kein Bier! Lieber armer halber Kerl Du. Was ist das Leben ohne Becherklang! ||
Wärst Du nur oft bei mir, Du solltest schon eine andre Anschauung bekommen. Meine letzten Tage in Rom hättest Du mit verleben müßen, oder ein paar schönheitdurchstrahlte freudesprühende u jugendselige Künstlerfeste, oder einige der schönsten Abende in unsrer lieben Bremer Kneipe – da würde Dir die Poesie des Kneipens schon aufgegangen sein. Aber ich gebe Dich noch nicht auf, hab ich Dich nur erst einmal wieder in den Klauen.
Wie schön ist es, daß Du auch meinen Dörnberg hast kennen gelernt. Ich habe ihn sehr lieb. Ein tiefes edles goldreines Herz sitzt in dem. Ich hab gar nicht gedacht, daß er noch in Berlin sei, doch will ich ihm jetzt nächstens schreiben u den Brief Brücke zur Besorgung senden.
Weißt Du etwas von Keferstein u Ehlers? Du schreibst Nichts von ihnen ud ich habe auch sonst keine Kunde von den Beiden, die mich doch recht intressiren. Schreib mir davon ud von den übrigen Messinesen, die ich kenne, wenn Du von ihnen weißt. Alles wird dort auseinander gestoben sein und so wirds auch in Rom bald gehen. Fast kein einziger meiner
römischen Freunde, denk ich, wird ruhig dort bleiben, der Herbst wird sie jedenfalls Alle heimtreiben. Welch ein Glück, daß wir Italien noch in und mit Ruhe schauen konnten. – Jetzt würde bei mir dort jedes harmlose Hingeben ud Sichversenken ins Schöne unmöglich sein. Des großen Stroms könnt ich mich nicht erwehren.
Der Raum des Blattes neigt sich zu Ende. So gehab Dich wohl lieber Genoß u Gefährte. Grüße mir die Deinen u bewahre mir Deine Freundschaft. – .
Mit Herz u HandDein H. Allmers
Einen ganz speciellen Herzensgruß Deinem Bräutchen. Ich sende hiebei die Mosaikbroche ud denke daß Du sie gut zum Geburtstag Deiner Braut ihr schenken kannst. Ich hörte einmal von Dir, Du habest ihr vor 2 Jahren blühende Haidekränze zum Feste geschenkt, also denke ich muß es wohl im August od. September sein. –
a gestr.: die; b gestr.: In; c gestr.: umhüllte; d gestr.: gut; e gestr.: , worauf; f gestr.: das; g korr. aus: vordrang; h korr. aus: ihren Umhüllungen; i eingef.: ich; j eingef.: schön; k gestr.: Das; l korr. aus: Jemanden; m gestr.: auch; n korr. aus: gefreut; o eingef.: mir; p gestr.: herrlichen; q gestr.: Du Dich abwendest; r gestr.: verdr; s gestr.: was; t gestr.: und; u gestr.: xxx; v gestr.: alice; w gestr.: in; x gestr.: xxx; y erg. aus: stillen; z eingef.: Tag; aa gestr.: nach Revello; bb eingef.: den; cc eingef.: eine Landschaft; dd gestr. bloß; ee eingef.: Du; ff gestr.: Du; gg gestr.: zu schauen wäre; hh gestr.: der Begleiter; ii gestr.: im Hintergrunde; jj gestr.: über; kk eingef.: noch weiter; ll gestr.: mit; mm gestr.: nachge; nn gestr.: meine; oo gestr.: . Sie; pp gestr.: lasse; qq gestr.: Dicht; rr gestr.: sie; ss gestr.: mit, eingef.: von; tt gestr.: wollte; uu gestr.: jetzt: vv gestr.: das; ww gestr.: Strom; xx gestr.: en; yy gestr.: ausgebildet; zz gestr.: hist; aaa gestr.: sein; bbb korr. aus: unsrer Menschenwelt; ccc gestr.: welche; ddd gestr. Xxx; eee gestr.: immer; fff gestr.: noch; ggg gestr.: einmal; hhh gestr.: durch; iii gestr.: u, eingef.: ,; jjj gestr.: de; kkk eingef.: Wonne; lll gestr.: Di; mmm gestr.: genieß; nnn gestr.: Sam; ooo gestr.: ita; ppp eingef.: nicht mehr; qqq gestr.: mit; rrr gestr.: Deine; sss gestr.: mi; ttt gestr.: zu; uuu gestr.: Ischia; vvv gestr: We; www gestr.: um; xxx gestr.: den; yyy gestr.: u; zzz gestr.: und endlich; aaaa gestr.: Winter; bbbb gestr.: Bi; cccc gestr.: erst; dddd gestr.: nie dort; eeee gestr.: It; ffff gestr.: Und auf; gggg korr. aus: das; hhhh gestr.: für Dich; iiii gestr.: sondern; jjjj gestr.: zu