Andersen

N. N. Andersen an Ernst Haeckel, Erfurt, 24. Februar 1876

Erfurt, den 24. Februar 1876

Hochverehrter Herr Professor,

Der Ihnen heute in einem Fäßchen übersendete Schädel ist in den tiefer gelegenen Schichten eines Wühlgraben-Ufers gefunden worden.

Departements Thierarzt Professor Dr. Jacobi und Stabsarzt Dr. Aefner welchen ich diesen Schädel bei einem Besuche bei mir vorzeigte, sprachen sich nicht bestimmt über die Gattung des Thiers aus, welchem der Schädel angehören könnte. D. Jacobi meinte es würde ein Schweinskopf sein.

Da mir nun der Gegenstand so antediluvinisch vorkam, so glaubte ich unter den obwaltenden Umständen, denselben nicht ohne Weiteres wieder wegschmeißen zu dürfen, bevor nicht eine Autorität wie Sie, mein hochverehrter Herr Professor, das Urtheil || gesprochen.

Ist der Schädel eine Seltenheit, vielleicht von einer Art Ameisenfresser oder Fischotter älterer Art – dann steht derselbe zur Verfügung und werden Sie dem Gegenstande einen Platz im Interesse der Wissenschaft und der Ihnen unterstellten Abtheilung der Universität anweisen.

Ist es nichts, dann werfen Sie das Ding nebst unserem bestandenen Zweifel weg und verzeihen Sie, daß ich Ihnen vielleicht einen kostbaren Augenblick ihrer edlen Zeit darauf zu verwenden Veranlassung gegeben habe.

Sie als einer unserer größten Naturforscher der Zeit sind darüber nicht zweifelhaft und finden es vielleicht gar nicht so unnatürlich daß auch ein Schafskopf den anderen als Rarität ansieht und versendet.

Herr Staatsrath Stöckhart in Weimar ermuthigte mich zur Absendung und meinte Sie würden es entschuldigen wenn ich etwas Dummes gemacht hätte.

Kanzleirath Fischer bittet mich so eben Sie freundlich zu grüssen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebener

Andersen.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
24-02-1876
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8494
ID
8494