Ammon, Sophie von

Sophie von Ammon an Ernst Haeckel, o. O., 7. Februar 1908

C & S

COOK’S NILE SERVICE

„EGYPT“

auf der Fahrt zwischen

Assiut und Cairo d. 7/2.

1908.

Sehr geehrter Herr Professor Haeckel, Excellenz!

Auch in diesem Jahre ist es mir nicht vergönnt, Ihnen mündlich meine besten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstage auszusprechen und mögte ich solches in diesen Zeilen thun. Vor allen Dingen bleiben Sie hübsch gesund und genießen Sie das Gute und Schöne das Ihnen das Leben noch im Alter bringt recht ungetrübt. Im Verein mit den Ihrigen feiern Sie hoffe ich || auch dieses Jahr Ihren Geburtstag so vergnügt als möglich und tragen treue Freunde und dankbare Schüler dazu bei Ihnen einen wirklichen Festtag zu bereiten.

Seit meiner Abreise aus Europa hörte ich wenig aus Jena – um so mehr habe ich aber neue Eindrücke empfangen und mit dankbarem Herzen so viel Schönes gesehen und genossen.

Am 7. Januar trat ich die Nilfahrt auf einem Cook’schen Dampfer an. Derselbe war nicht viel besetzt, was ja auch manchen Vorzug hat. An den verschiedensten Stellen wurde Station gemacht || und Ausflüge unternommen uma theilweise die Bauten der Tempel kennen zu lernen und auch das Land und die Bewohner zu sehen, – so waren wir etwa 14 Tage bis Assuan unterwegs. Von dort fuhr ich dann noch über Shellhall nach Wadi Halfa, wo wir den 2. Cataract uns an sahen, weiteren Ausflug auch in die dortige Wüste machten, die so ganz andere Bilder und Eindrücke wieder bot – schon durch den roth goldenen Sand – als die Strecken, welche wir vorher gesehen hatten. Mit viel Interesse aber lernte ich die verschiedenen Völker und Rassen kennen und davon giebt es wahrlich hier eine ganze Anzahl, die alle zu || beschreiben zu weit führen würde. Das Leben auf dem „schwimmenden Hôtel“, wie wir unsern Dampfer nennen, hat mir zugesagt. Die Mehrzahl der Reisenden sind Engländer, wenig Amerikaner, die meisten werden durch die dortige Krisis zurückgehalten, einige Franzosen, etliche Russen und wenige Deutsche. Letztere scheinen mehr die Hamburg-amerikanische Linie zu benutzen, welche aber auch über Mangel an Passagieren klagt. Vielleicht wird die 2. Hälfte der Saison noch eine bessere, im Allgemeinen klagen sie hier überall über geringeren Fremdenbesuch. Das Reisen ist recht theuer hier, wie wohl überall, auch im Orient die Preise stiegen, aber besonders soll es hier im Lande sein; || ich habe auch bis dato noch nicht solche Preise in Hôtels etc. an getroffen und dann die vielen Trinkgelder, das „Backschich“ hört nirgends auf. Trotzdem mache ich mir keine Vorwürfe mal diesen Ausflug unternommen zu haben – hat man keine Wohnung mit Allem drum und dran, so reist es sich weit sorgenfreier. Axel Theyer mit seiner charmanten Frau traf ich auf der Fahrt nach Wadi Halfa; sie wollten auf 10 Tage zu Bekannten nach Chartum, hoffe ich sie in Cairo noch zu sehen, wo ich etwa noch 14 Tage Station mache, bevor ich Ende d. M. nach Neapel fahren mögte.

Die Witterung war herrlich bis dahin, nur diese 2 letzten Tage haben wir reichlich Wind, ist drum die Landschaft nicht so || klar und wonnig wie bei der Hinfahrt. In Assuan und Luxor hatten 20 und 22° Réarmur schon des Morgens 9 Uhr, man empfindet aber die Hitze nicht so, da die Luft doch sehr trocken ist. – Gern hätte ich Ihnen ein lebendes Crocodil mit gebracht, aber die vielen Dampfer und all das Getriebe auf dem Nil vertreiben die niedlichen Thierchen so daß ich nur von Weitem ein kleines Ungeheuer bei Wadi Halfa sah.

Viele herzliche Grüße bitte an Ihre liebe Frau; sie hört nun durch Sie von mir, schreibe ich ihr aus Italien später einmal, meine Gedanken schweifen öfter zu meinen guten Freunden in die Villa Berggasse 7 hinüber.

Nochmals das Beste für Sie und mit vielen herzlichen Grüßen in alter Anhänglichkeit

Ihre

S. v. Ammon

a eingef.: um

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
07-02-1908
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8464
ID
8464