Ammon, Sophie von

Sophie von Ammon an Ernst Haeckel, Neapel, 13. Februar 1906

Neapel Hôtel Continental

d. 13.2.1906.

Sehr verehrter Herr Professor!

Wären Sie im Süden, so würde ich es versucht haben Ihnen meine aufrichtigsten Glückwünsche zum Geburtstage mündlich auszusprechen. So lassen Sie es mich nun in diesen Zeilen thun, Ihnen in demselben auch gleichzeitig für Ihren Brief danken, den ich von Ajaccio ausb eigentlich zu beantworten beabsichtigt hatte. – Sie haben hof-||fentlich die Freude die Ihrigen aus Leipzig und München zum Wiegenfeste bei sich zu sehen, verleben den Tag im besten Wohlsein und treten ein gutes, gesundes neues Lebensjahr an, indem Sie sich aber in Anbetracht des würdigen Alters nicht zu viel zumuthen dürfen. –

In der nächsten Woche verlasse ich nun aber Neapel, benutze den direkten Dampfer von hier nach Bastia, welcher nur einmal in der Woche von hier abgeht, rechne auf eine gute Ueberfahrt. Haben Sie schönen Dank für Ihre Direktive, wollte es wäre mir nicht so Mancherlei dazwischengekommen, meine Abreise so lange verschoben || wurde [!]. Neapel ist bei schönem Wetter wirklich ganz herrlich, aber wir hatten jetzt viel Sturm und Gewitter, daß man zu weite Touren nicht unternehmen konnte. Im Aquarium war ich verschiedentlich, sprach letzthin auch lange den einen der dort angestellten Herren, der sich nach Ihnen erkundigte, Prof. Walther gut kannte, sowie Semon’s, mit denen er näher bekannt zu sein schien. Gestern war ich in Sorrento um von Castellamare die neue elektrische Bahn zu fahren, welche von dort sehr geschickt angelegt seit Kurzem eröffnet worden ist. Man hat herrliche Ausblicke nach allen Seiten hin. Momentan ist hier die Mandel und Pfirsichblüthe ganz reizend, im Ganzen ist die Vegetation sonst || sehr zurück, der Winter war zu ungünstig.

Ihrer Lieben Frau sagen Sie bitte viele Grüße, ich schreibe ihr bald ganz ausführlich, habe mich sehr über ihren Brief gefreut. In Jena amusirt man sich ja sehr den Winter, scheint besonders viel für die liebe Jugend los zu sein.

Haben Sie Nachsicht lieber Herr Professor mit den eiligen Zeilen, ich mögte sie aber gern pünktlich fort haben, sitze im Lesezimmer, nebenan ist eine italienische Truppe, welche mit Gesang und Spiel die Gesellschaft unterhält.

Nochmals viel viel gute Wünsche. In alter Verehrung und Anhänglichkeit

Ihre

dankbare treu ergebene

S. v. Ammon.

b eingef.: aus

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-02-1906
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 8462
ID
8462