Bail, Theodor

Theodor Bail an Ernst Haeckel, Danzig, 23. Dezember 1889

Danzig 23.12.89.

Sehr geehrter Herr Hofrath!

Sie haben durch Ihr reiches Geschenk unserer Gesellschaft eine große Freude bereitet, nehmen Sie meinen herzlichen Dank dafür, wie für die freundliche Art, in der Sie bei derselben auch meiner gedachten. Für mich fußt mein Leben in Danzig ja eigentlich in der Zeit, in der ich das Vergnügen hatte, Sie kennen || zu lernen und mit Ihnen zum ersten Male die Grenze Westpreußens zu überschreiten. Die ganze Liebenswürdigkeit, mit der Sie damals in Kreuz meiner Anrede entsprachen, und die schönen Tage von Königsberg vor nun beinahe 30 Jahren stehen mir noch in lebhaftester Erinnerung. Was haben wir beide alles seitdem durchgekämpft und durchgelebt; doch ich hoffe, Sie sind frisch und froh, man sieht || es ja aus Ihrem unentwegten, thatkräftigen Schaffen, und auch ich bin zufrieden; denn ich wirke, wenn auch nicht, wie es der Traum meiner Jugend war, an unmittelbarer, so doch an mittelbarer Förderung der Wissenschaft, indem ich in weite Kreise den Sinn für wahre Beschäftigung mit der Natur zu verbreiten habe. Leider ist mir die Zahl meiner Schüler, die sich ganz den Naturwissenschaften weihen, größer als die der Stellen, durch welche sie später ihr Unterkommen || finden können, so daß ich immer von der eigentlichen wissenschaftlichen Laufbahn sehr abrathen muß.

Ich erlaube mir Ihnen einige meiner Separatabzüge beizulegen.

Mit den besten Wünschen für Weihnacht und Neujahr

Ihr

ergebenster

Th. Bail.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
23-12-1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 8212
ID
8212