Bamberger, Johann

Johann Bamberger an Ernst Haeckel, Hamburg, 8 März 1918

Hamburg 8 März 1918.

(Johann Bamberger)

Hornerlandstr.

66.

Sehr geehrter Herr

Professor Ernst Haeckel.

Infolge ihres hohen Alters, ihrer ungünstigen Gesundheit, möchte ich Ihnen nochmals einige Worte widmen in ehrfurchtsvoller Treue und Dankbarkeit. Mein Wunsch ist, das der kommende Frühling Herrn Ernst Haeckel zu seiner Gesundheit ein würdiger Wohltäter werde, dazu gebe Gott-Natur die heilsame Pflege. Mit freundlichem Gruß, verbunden mit einer Geistesgabe zu Ehren des || großen Meisters:

Herrn Professor Ernst Haeckel’s

Lebensstrahlen.

Ernst Haeckel Dir komm ich entgegen,

Meinen Dank Dir darzubringen,

Mein Leben ward durch Dir zum Segen,

Durch Dein herrlich, edles Ringen!

Dein Wirken erstrahlt in ganzer Kraft,

Unermüdlich Dein Geist stets war,

Der das Wahre, Gute, Schöne schafft,

Zum Segen für die Menschheit dar!

Wie Gott-Natur sich offenbarte

Zum Leben in dem Weltenraum,

Die Wissenschaft Dir Diener harte,

Ward Dir zum starken Lebensbaum.

Mögen noch Menschen sich erheben,

Die die Wissenschaft verachten,

Die nach einem Freiheitsleben,

Doch nicht nach der Wahrheit trachten, ||

Die da von Gottes Allmacht sprechen,

Von Gottes Sohn – Gottes Gericht,

Und Menschentum gilt als Verbrechen,

Glaubt der Mensch an Gottes Wort nicht.

Führwahr hier hilft kein traurig klagen,

Wie könnte es auch anders sein,

Hier hilft nur, stets die Wahrheit sagen,

Nur dann der Glaube wird gedeihn,

daß die Menschen einander ehren,

Sich freuen ihrer Lebenszeit,

Zu Gott-Natur ist ihr Begehren,

Zwar blüht das Glück: Zufriedenheit.

In allen meinen Lebensstunden

Fühl ich mich frei in Gott-Natur,

Bei Ernst Haeckel hab ich gefunden

Das höchste Glück des Lebens nur!

Ernst Haeckel ich folge Dir

Unvergeßlich bleibst Du mir!

Johann Bamberger.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-03-1918
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 8182
ID
8182