Bauer, Karl

Karl Bauer an Ernst Haeckel, München, 7. Juni 1908

München. Ungererstr. 8. III.

(Atelier: Rambergstr. V, 4.)

Pfingstsonntag. 08.

Hochverehrter Herr Professor!

Verzeihen Sie, bitte, wenn ich schon wieder auftauche. Professor Semon benachrichtigte mich von Ihrer Nähe & ich besprach mich mit ihm vor dem nachfolgenden Wagnis.

Ich erlaube mir, die Anfrage zu stellen, ob für Sie die Belästigung groesser waere, wenn ich, anstatt nach Jena zu reisen, || nach Marquardtstein auf einige Stunden kommen dürfte mit meinem nötigen Material versehen, um Aufnahmen nach Ihnen zu machen. Oder ob gar eine Möglichkeit zu finden waere, bei Ihrem vorübergehenden Aufenthalt in München, Sie auf 1–2 Stunden (Vormittags oder Nachmittags) in mein Atelier zu bemühen. Für mich selbst waere Letzteres künstlerisch natürlich der allergroesste Vorteil, denn da waere die Möglichkeit gegeben, durch malerische Beleuchtung (z. B. der Augen & der weissen Haare a mit || reflektirendem Licht) & andere günstige Umstaende ein voraussichtlich besonders günstiges Bildnis zu gestalten.

Sie sehen hochverehrter Herr, wie ich alle Möglichkeiten auszunützen suche, Sie werden dies aber von meinem Standpunkt aus als Malerkollege begreiflich finden.

Ich wage es, mich dabei der Hoffnung hinzugeben, an den mir so angenehm bekannt gewordenen Ihrigen Unterstützung mit diesem neuen Plan zu finden. ||

Sollten Sie jedoch trotzdem das früher Beschlossene vorziehen, so habe ich ja Grund genug zufrieden zu sein mit der vorigen Aussicht, Sie in der nachfolgenden Woche in Jena aufsuchen zu dürfen.

Mit höflichster Bitte um baldige, geneigte Antwort, mit herzlicher Empfehlung an Herrn & Frau Walther Haeckel grüsst Sie in dankbarer Verehrung

Ihr ergebener

Karl Bauer. Maler.

H: EHA Jena, Sign.: A 7983. – 1 Dbl., 14,1 x 22,3 cm, egh. Br., 4 S. beschr., Besitzstempel.

a gestr.: )

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
07-06-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7983
ID
7983