Behrens, W...

Wilhelm Julius Behrens an Ernst Haeckel, Braunschweig, 8. November 1879

Braunschweig 8 November 1879.

Hochgeehrter Herr Professor!

Ew. Hochwohlgeboren erlaube ich mir anbei, eine kleine Abhandlung über die Blüthennectarien zu übersenden. Im Laufe dieses Sommers hatte ich mir die Freiheit genommen, Ihnen ein kleines paedagogisches Schriftchen zu übersenden. Im Falle Sie in letzteres einen flüchtigen Blick geworfen haben sollten, möchte Ihnen vielleicht die dort genommene Stellung zur Entwicklungslehre auf Schulen, aus der Feder eines Naturwissenschaftlers sehr eigenthümlich erschienen sein. Es sollte mir sehr leid thun, wenn ich dadurch in den Geruch käme, zu der großen Kaste der Dunkelmänner zu gehören. Daß ich auf rein wissenschaftlichem Gebiete der von Darwin, von Ihnen geschaffenen neuen, von jedem Aberglauben gesäuberten Richtung der Wissenschaft angehöre, möchte ich durch diese meine Untersuchungsreihe documentiren. Zugleich darf ich mir vielleicht gestatten, Ihnen auszudrücken, von welchem Werthe für mich Ihre zahlreichen Schriften, die ich größtentheils genau studirt habe, gewesen sind. Denn auch dem Botaniker dürfen die scharfsinnigen || Darstellungen in der „generellen Morphologie“ nicht fremd sein, vorausgesetzt daß der Botaniker nicht nur (wie heut zu Tage so vielfach der Fall) Empiriker ist, d. h. nur empirisches Material sammelt, sondern auch die Empirismen deductiv unter umfassende Gesichtspuncte zu bringen sucht.

Dieser Brief erinnert mich daran, daß ich Ihnen schon längst meinen aufrichtigsten Dank hätte aussprechen sollen für die freundliche Übersendung der Abhandlung: „Ursprung und Stammverwandschaft der Ctenophoren“.

Gestatten Sie mir, hochgeehrter Herr Professor, Ihnen die Versicherung meiner aufrichtigen Hochachtung und wahren Verehrung auszudrücken.

Ew. Hochwohlgeboren

ergebenster

W. Behrens.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
08.11.1879
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7882
ID
7882