Bessels, Emil

Emil Bessels an Ernst Haeckel, Heidelberg, 16. Oktober 1867

Verehrtester Herr Professor!

Da es mir zur Genüge bekannt ist, daß Sie kein Freund von Umständlichkeiten sind, so erlaube ich mir, direct auf mein Ziel loszusteuern, Ihnen mein Anliegen unverblümt vorzubringen.

Godefroy in Hamburg, der Besitzer des dortigen Museums, machte mir den Vorschlag, auf seine Kosten eine Reise nach dem Lande der Beutler, nach Australien zu unternehmen, dessen Fauna unser gemeinschaftlicher Freund Alexander auf so schwungvolle Weise in reizenden Jamben schildert. Nun aber erlangt dieser gute Mann, ich nehme es ihm nicht übel, Auskunft über mich.

Pagenstecher, der ohnehin seine Hände im Spiel zu haben scheint, könnte ich nur dann um eine Empfehlung bitten, wenn ich mein Ehrgefühl in hermetisch schließende Flaschen füllte, was aber doch nicht gut angeht. Ich erlaube mir also, Sie mit der Bitte zu belästigen; mir doch gefälligst einige Zeilen für Godefroy zusenden zu wollen und zwar umgehend, wenn Sie diese Zumuthung nicht allzu unbescheiden finden sollten. Es stehen mir zwar die verschiedensten Empfehlungen zur Disposition, z. B. von unserem || früheren Minister, Rüdt von Collenberg, doch sind sämmtliche Herren, welche Auskunft über mich geben würden, keine Männer der Wissenschaft: Deshalb richte ich diese Bitte an Sie, in Hoffnung, daß Sie dieselbe bald erfüllen werden.

Leben Sie wohl, alles Weitere mündlich, da ich Ende dieses [Jahres] nach unserem lieben Jena kommen werde.

Ihr ergebenster

Emil Bessels.

Heidelberg 16/X 1867.

Mittwoch Abend.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16.10.1867
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 7508
ID
7508