Greeff, Richard

Richard Greeff an Ernst Haeckel, Marburg, 22. November 1889

Marburg den 22. November

1889.

Lieber Freund!

Zum zweiten Male in Jahresfrist werde ich heute durch eine schöne und reiche Gabe Deinerseits erfreut, das erste Mal durch Uebersendung der prächtigen „Challenger-Siphonophoren“, in der Du auch die „Canarischen“ mit aufgenommen hast. Viele der anmuthigen Geschöpfe, denen Du damals eine so begeisterte und unermüdliche Arbeit widmetest und die mit zu bewundern auch mir vergönnt || war, stiegen beim Lesen und Betrachten Deines schönen Werkes in meiner Erinnerung wieder auf mit all den Freuden und Leiden, die die Erbeutung derselben in den Jagdgründen des Puerto del Arrecife und zwischen dessen Klippen uns bereitete. Damals, beim Empfang Deiner Siphonophoren-Arbeit, war ich durch allerlei amtliche und andere Pflichten so in Anspruch genommen, daß mein fester Vorsatz Dir zu schreiben leider nicht zur Ausführung kam. Heute aber, wo Du auch abermals || durch Uebersendung eines schönen und interessanten Challenger-Reports überraschest, will ich nicht nochmals zögern Dir herzlichsten Dank und Gruß zuzusenden. Diese merkwürdigen Tiefsee-Hornschwämme, die Du in Deiner Arbeit behandelst, sind ja wahre Schatzkästlein von Polythalamien, Radiolarien und sonstigen Dingen und ihr trautes Zusammenleben mit den Hydroiden sieht wirklich aus wie Familie. Empfange nochmals besten Dank mit der Versicherung, daß ich Deiner oft in Freundschaft und aufrichtiger Bewunderung für Deine unermüdliche, reiche und verdienstvolle || Arbeit gedenke und daß ich und meine Frau uns herzlich freuen würden über ein nochmaliges Zusammentreffen mit Dir zur Anfrischung der Erinnerungen früheren Zusammenseins, namentlich wenn Du uns hier einmal besuchen wolltest. Wir beide, meine Frau und ich, sind jetzt allein, unsere drei Kinder ausgeflogen: der Älteste, der vor Jahren, wie Du Dich wohl erinnerst, als fröhlicher Seppo mit uns nach dem Laacher See wanderte, ist Assistenzarzt an der Augenklinik von Schweigger in Berlin, die Tochter, auch in Berlin, an den Historienmaler Prof. Hugo Vogel verheirathet, von dessen Bildern (Empfang der Refugié’s durch den großen Kurfürstena, Herzog || Ernst’s v. Brauchschweig-Lüneburg Abendmahl, Wandgemälde im Berliner Rathhause etc) Du vielleicht das eine oder andere wirst gesehen haben. Unser Jüngster, der Ostern d. J. hier sein Abiturienten-Examen gemacht hat, will Techniker werden und dient seit October als Einjährig-Freiwilliger im Eisenbahnregiment in Berlin.

Mitb dem Wunsche, daß es Dir und den Deinigen wohl ergehe, bleibe ich mit freundlichem Gruß auch von meiner Frau

in alter Freundschaft

Dein

R. Greeff.

a korr. aus: fürsten; b korr. aus: Grüße

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22.11.1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 74
ID
74