Berger, Anton

Anton Berger an Ernst Haeckel, Graz, 20. August 1905

Graz, 20.8.1905.

Hochgeehrter Herr Professor!

Bitte um Entschuldigung, daß ich mir erlaube folgende Zeilen an Sie zu richten.

Ich bin Abiturient eines österreichischen Obergymnasiums und bekam durch einen glücklichen Zufall Ihre unsterblichen Werke in die Hände. Mit besonderem Fleiße warf ich mich auf das Studium der Generellen Morphologie welches geniale Werk ich schon zum 5ten male durchgearbeitet habe. Ich fühle mich in die glückliche Lage versetzt, Ihnen, hochgeehrter Herr Professor, für die unendliche Gedankenfülle und Belehrung welche ich aus Ihren Meisterwerken empfing meinen herzlichsten Dank abstatten zu können. Durch das Studium Ihrer unschätzbaren Werke wurde ich zum Studium der Naturphilosophie herübergezogen und ich möchte mein Leben dem interessantesten und hehrsten Teile derselben, der von Ihnen begründeten Phylogenie widmen. Da ich aber um auf diesem Gebiete einst erfolgreich tätig sein zu können mich mit der gesammten Naturphilosophie (trotz der Weite) bekannt machen muß.||

So nahm ich mir die Freiheit mich an Sie den größten Naturphilosophen mit der Bitte zu wenden bei wem & wo ich die einzelnen Disziplinen studieren soll. Denn auf unsere österreichischen sogenannten „Gelehrten“ vertraue ich sehr wenig, halte ich nicht viel von ihnen. Wenn Sie lieber Herr Professor so gut wären und mir diesbezüglich behülflich wären so würde ich Ihnen zu so langer Dankbarkeit verpflichtet sein, als mein Gehirn funktioniert. –

Das ganze Studium an den ausländischen Universitäten scheint sich mit umso schwieriger zu gestalten, da ich selbst völlig mittellos bin. –

Glücklich würde ich mich schätzen wenn ich nach Jena kommen könnte. Sollte Sie lieber Herr Professor die unendliche Güte habe und mir diesbezüglich schreiben so bitte ich ergebenst zu adressieren:

Angergasse 19. p. links

In größter Hochachtung

und Dankbarkeit erfüllt

zeichnet

Anton Berger

H: EHA Jena, Sign.: A 7387. – 1 Bl., 20,75 x 33,7 cm, egh. Br., 2 S. beschr., Besitzstempel, Anstreichungen mit blauem Stift, nachträglicher Vermerk Haeckels auf Seite 1: „Beim Besuch in Jena, | Juli 1906, hat Herrn Berger von mir | 50 Mk geliehen (- „Portemonaie verloren“?) | aber nie zurückgegeben. | E. Hkl.“

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20.08.1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 7387
ID
7387