Berger, Alwin

Alwin Berger an Ernst Haeckel, La Mortola, Ventimiglia, 25. März 1910

LA MORTOLA,

VENTIMIGLIA,

ITALY.

25. März 1910.

Ew. Excellenz!

Herr Geh. Rat Strasburger schreibt mir, dass Sie vom 28. bis 1. Apr. in Monaco sein werden zu den Eröffnungsfeierlichkeiten, und dass Sie beabsichtigen Ihren Aufenthalt an der Riviera etwas zu verlängern. Wir würden uns herzlich freuen, wenn Sie auch La Mortola und uns einen Besuch machen wollten.

Herr Geh. Rat Strasburger bat mich Ihnen mitzuteilen, wie die Pension hiess, in der im vorigen Jahr Herr & Frau Prof. Warming aus Kopenhagen gewohnt haben. Ich habe den Namen dieser Pension nicht mit Sicherheit erfahren. Es handelt sich aber wohl um die Pension „Villa Stella“ dicht am Strand von Garavan. Sie hätten von dort in 5 Minuten die Schlucht St. Louis und in 10-15 Minuten die „Baussi Rossi“ erreicht, ein landschaftlich hübscher Punkt. Es sind dort auch die Höhlen, in denen die berühmten praehistorischen Funde gemacht wurden, und das von Sir Thomas Hanbury errichtete Miniatur-Museum praehistoricum. Ich kenne die Pension || nicht; ich lege aber die Antwort bei, welche ich auf meine Anfrage erhielt.

Des Weiteren wird mir von Freunden in Mentone empfohlen: Pension Bergfried, in der Nähe der Jardins publique in Mentone. Es sei von Deutschen geführt und werde empfohlen.

Zur Villa Stella muss ich noch bemerken, dass die Besitzerin Mme Helena Stephen englisch zu sein scheint. –

Herr Prof. Warming und ebenso Herr Prof. Kirchner aus Hohenheim wohnten im vorigen Jahre auch einige Wochen im Dorfe Grimaldi – zwischen Mortola und Garavan – ina dem Ristorante & Albergo Garibaldi (vulgo „Clandina“). Die Herren wollten eben nahe an Mortola sein, aber sie fanden es doch auf die Dauer etwas zu primitiv. Ich möchte Ihnen zu diesem Experiment nicht raten.

Sobald ich noch weiteres in Erfahrung bringe, werde ich es Ihnen sofort mitteilen.

Falls Sie nach La Mortola kommen und hier in Ruhe malen wollen, würden wir, d.h. ich und meine Frau, Sie herzlichst einladen, wieder wie vor 6 Jahren unser Gast zu sein. Wir würden Ihnen sehr gern auch ein Zimmer zur Verfügung stellen, so dass Sie bei uns schlafen könnten. Ein Südzimmer mit Aussicht auf Oliven und das Meer. Sie könnten so auch die ersten Morgenstunden frisch und ungestört im Garten von || La Mortola verbringen.

Wir bewohnen nicht mehr das Haus an der Croce, wo Sie uns vor 6 Jahren besuchten, sondern haben jetzt ein geräumigeres und viel bequemeres Häuschen im Garten, abseits vom Staub der Landstrasse. Wir könnten Ihnen also viel mehr Bequemlichkeit bieten als früher.

Wir hoffen, dass es ihnen recht gut gehe und dass die Festlichkeiten in Monaco Sie nicht zu sehr ermüden werden.

Mit den besten Grüssen von mir und meiner Frau verbleibe

Ihr hochachtungsvoll ergebener

Alwin Berger.

a gestr.: bei; eingef.: in

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
25-03-1910
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7363
ID
7363