Bockelmann, Friedrich

Friedrich Bockelmann an Ernst Haeckel, Rudolstadt, 11. Dezember 1909

DR. MED. F. BOCKELMANN

GEHEIMER SANITÄTSRAT

R. 11.XII.09.

Excellenz!

lieber Herr Professor!

für Ihre gütigen Zusendungen 1) Ihre neueste Photographie 2) Charles Darwin als Anthropologe meinen herzlichen Dank.

Ihre mir dedicirte Photographie erfreute mich ganz besonders und wird auch später von meiner Tochter in hohen Ehren gehalten werden, namentlich da ihr meine langjährige Verehrung bekannt ist und [sie] Zeugin gewesen ist, wie eifrig ich Ihre Schriften studirte. Ich habe stets eine besondere Satisfaction empfunden, durch meine natur-||wissenschaftl. (vormedicin.) Studien Verständniß für Ihre wissenschaftl. Deductionen gehabt, behalten zu haben.

Ihre Critik über Weismanns Molekularhypothese hat mich sehr gefesselt, zum krit. Nachdenken angeregt.

Nochmals auf Ihr liebes Bildniß zurückzukommen, erinnere ich mit Wohlbehagen daran, daß ich jetzt eine Sammlung besitze, von Ihrer Studienzeit an, also 1857 ‒ bis heute ‒ Student, junger Professor, costümirt als Tropenreisender und in Pithecantropodengesellschaft etc.!

Durch eine sehr schmerzhafte Lumbago war ich leider verhindert der letzten naturwissenschaftlichen Versammlung || beizuwohnen; Prof. Stahl's Vortrag hätte ich gern gehört.

Daß Sie wiederum, und das in Jena! Zeichen der Undankbarkeit hinnehmen mußten, habe ich unendlich bedauert. Ich bin international gesinnt, schätze Franzosen, Engländer gleich hoch, habe aber häufig die Erfahrung gemacht, daß Mischaffen meist schlechte Arten geben: Der Vater von P. war Deutscher, die Mutter Engländerin!

Auch ich habe in meinem Leben die Erfahrung machen müßen, Undank zu ernten, wo ich hervorragenden Dank verdiente und umgekehrt auch nicht verdienten Dank für mäßige Leistungen empfangen zu haben. || Passons là dessus!

Recht vergnügte Weihnachten etc. wünschen wir Ihnen und Ihrer verehrten Familie mit den besten Empfehlungen von Haus zu Haus.

Bei uns herrscht noch tiefe Trauer; meine gute Tochter kann den Verlust ihrer treuen Mutter noch immer nicht überwinden.

Nochmals meinen Dank für Ihre Güte; mit dem Ausdrucke bleibender dankbarer, freundschaftlicher Verehrung

Ihr alter treuer

FBockelmann

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
11-12-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7196
ID
7196