Bockelmann, Friedrich

Friedrich Bockelmann an Ernst Haeckel, Rudolstadt, 8. Juli 1903

Rudolstadt 8 Juli 1903.

Hochgeehrter Herr Professor.

Leider ist mir nun auch diese Freude zerstört, nämlich die, daß unser aufgeklärter Fürst die Gelegenheit haben sollte Sie kennen zu lernen. Wir hatten es uns alles so vortrefflich ausgedacht, hätten Sie wie beabsichtigt war als Gast Sr D. im Schwarzburger Schloß übernachtet, so hätte Se D. die Gelegenheit gehabt mit Ihnen allein zu promeniren in den schönen Wäldern Schwarzburgs und von Ihrer Weisheit persönlich zu schöpfen. Bei einer sog. Tafel || ist doch schon die Umgebung (wenn auch augenblicklich die frommen Pfaffen abwesend waren, hinderlich sich auszusprechen. Sie sollten in fürstl. Equipage auf der Rückkunft von Eisenach via Arnstadt in Rottenbach abgeholt werden.

Hoffentlich bietet sich bald wieder eine Gelegenheit den Jenenser Geistesfürsten mit dem Schwarzburger Landesfürsten zusammenzuführen. Ich verspreche mir von einer Zusammenkunft auch den Erfolg unsere freche hier dominierende Orthodoxie etwas couché zu machen und den Abhängigen des Landes Muth zu geben frei ihre freie Farbe zu bekennen, die S. R. Bevölkerung ist aufgeklärt || und unterrichtet; orthodoxe ärgster Richtung wurden hier gegen Willen von einer kleinen aber dominierenden Parthei angestellt. In Jena dürfen die Landestheologen nicht ausgebildet werden, nicht Gesetz, aber als Avis für die Studierenden gegeben, aus dem sich usus bildet etc. etc.

Ich würde Sie ebenfalls in S. gesehen haben, da Seine Durchlaucht die Absicht hatte auch mich durch Herrn Hofmarschall v. Priem, meinen ausgezeichneten Freund, laden zu lassen.

Gerne würde ich Freitag den interessanten Vortrag hören, fühle mich aber augenblicklich nicht ganz wohl, so daß es ungewiß ist ob ich kommen || kann. Seitdem ich mit der dummen Influenz behaftet war, habe ich meine Widerstandsfähigkeit verloren und namentlich greift mich das Gerüttele in Eisenbahnwagen an.

Meine Familie empfiehlt sich Ihnen und Ihrer sehr geehrten Frau Gemahlin bestens.

Mit unwandelbarer Verehrung grüße ich herzlichst.

FBockelmann

Unser gemeinsamer Lehrer Exc. Kölliker feierte vorgestern seinen 86. Geburtstag! Die Luft in der Anatomie muß doch nicht ganz ungesund sein!

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
08-07-1903
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7187
ID
7187